Kultur : Nachrichten

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Barry Levinsons Filme mögen, wie die aller Regisseure, mal besser und mal schwächer geraten sein, aber eines sind sie immer: elegant. Ob einfühlsame Beobachtung von Autisten („Rain Man“) oder PolitikerKarikatur („Wag the Dog“): Levinson-Filme sehen immer gut aus. Exquisiteste Räume werden als Drehorte genutzt und mit geschmeidigen Kamerafahrten erfasst. Und so sind auch die ersten Minuten von „Neid“: Levinson pur.

Alles fließt, alles dreht sich – als habe der Vorführer die Bilder auf zwei Walzen projiziert. In kunstvollen Parallelmontagen wird der Alltag der Freunde Tim Dingman (Ben Stiller) und Nick Vanderpark (Jack Black) beschrieben. Die zwei sind Nachbarn in einer amerikanischen Vorstadt und arbeiten in einer Fabrik für Sandpapier. Erst ist alles eitel Harmonie.

Doch dann kommt der Neid. Nick empfindet ihn zuerst. Denn Tim wird befördert, bekommt ein eigenes Büro und dazu einen Sessel, dessen Spezialrückenlehne seine lädierte Bandscheibe schont. Tim, so scheint es, ist der Karrierist und Nick der Träumer, der es nie zu etwas bringt. Ein Irrtum. Denn Nicks Traum wird wahr – der Traum von einer Chemikalie, mit der man Hundekot beseitigen kann. Er wird reich, er wird Multimillionär und er zieht nicht weg, nicht dorthin, wo seinesgleichen neureich residieren. Vor Tims Augen errichtet er eine Mischung aus Weißem Haus und Disneyland. Er legt sich sogar einen Schimmel zu, der gern auf Tims Grundstück den Rasen verwüstet. Tim kocht vor Wut.

Auftritt Christopher Walken. Wieder einmal gibt er den philosophierenden Clochard, den Mann mit Vergangenheit und Geheimnis, den Guru aus der Gosse, der sein Gegenüber sofort in Bann zieht. Dieser Fremde gibt Tim den Rat, seine Wut herauszulassen. Tim befolgt ihn – und verliert daraufhin seine Arbeit und seine Frau (Rachel Weisz), die seine schlechte Laune nicht länger erträgt.

Leider weiß auch Barry Levinson, der am Drehbuch mitgeschrieben hat, nun nicht mehr weiter. Vielleicht, weil die Geschichte an Gefälligkeit verliert? Statt die Situation eskalieren und womöglich in eine Katastrophe münden zu lassen, bemüht er eher dürftige Einfälle, die den Film bloß verlängern. Überflüssig zu erwähnen, dass Nicks Hochmut und der seiner Frau – köstlich gespielt von der „Saturday Night Live“-Komikerin Amy Poehler – einen tiefen Fall nach sich zieht. Viel zu sehen ist davon freilich nicht: Neid ist ein sehr unelegantes Gefühl.

In 10 Berliner Kinos

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