Kultur : Nachrichten

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NAUM GABOS ENTWURF

ZUM SOWJETPALAST

Berlin war in den Jahren der Weimarer Republik Drehscheibe der internationalen Moderne. Damals war Berlin tatsächlich die „westlichste Stadt“ Osteuropas . Hierher kamen Hunderttausende von Russen auf der Flucht vor Revolution und Bürgerkrieg. In Berlin fand 1922 die erste Überblicksausstellung zur neuen, sowjetrussischen Kunst statt, in der renommierten Galerie Van Diemen Unter den Linden. Naum Gabo arbeitete daran mit – und blieb fortan in Berlin. Hier schuf der Bildhauer einen Großteil seines konstruktivistischen Werkes. Als Architekt war ihm weniger Erfolg beschieden. Dass er sich 1931 am ersten, internationalen Wettbewerb für den Moskauer „Palast der Sowjets“ beteiligte, war in Vergessenheit geraten, bis die Berlinische Galerie den ihr anvertrauten Nachlass aufarbeitete. Gabo wählte eine sowohl symmetrische als auch konstruktive Form für seinen Entwurf. Mit seinen schwingenförmigen Tagungssälen entsprach Gabos Idee nicht dem stalinistischen Pathos – kein Wunder, dass sein Entwurf keine Berücksichtigung mehr fand. Für eine Ausstellung zu Gabos Werk ließ die Berlinische Galerie 1992 ein Modell des Entwurfs anfertigen – Beispiel für die Grenzüberschreitung von Skulptur und Architektur. Bernhard Schulz

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