Kultur : Nachrichten

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— Truls Mørk: Bach- Suiten für Violoncello

(Virgin/EMI)

Aufrichtig ohne spröde zu werden, tänzerisch ohne den Boden unter den Füßen zu verlieren: Mørk ist ein Romantiker von heute, ein hingebungsvoller Cellist. Und das Leben ist groß.

— Beaux Art Trio: Pianotrios 1 & 2 von Schostakowitsch (Warner)

Menahem Pressler, der Pianist des Beaux Art Trios, ist 82 Jahre alt – und viel wacher und frischer als mancher Jungstar. Seine Einspielung des

2. Klaviertrios von Schosta-

kowitsch ist atemberaubend.

— Händel: Messiah. Les Arts Florissants, Christie (harmonia mundi)

Keiner ist leichter, milder,

erfüllter: William Christies „Messiah“ leuchtet von innen durch die Nacht. Eine Einspielung für die Ewigkeit, zum Fest als CD-Buch neu verpackt.

— Antonio Vivaldi: Bajazet (Virgin/EMI)

Mit diesem Opern-Pasticcio zettelt Vivaldi einen Sängerkrieg gegen unliebsame Kollegen an – und der Zuhörer hat den Spaß dabei. Fabio Biondi leitet elektrisiernd ein herrliches Solistenensemble. Die reine Freude.

— Chant Wars. Sequentia, Dialogos (deutsche harmonia mundi)

Chormusik aus der Stille des 9. Jahrhunderts: streng in der Form, hochemotional in der Wirkung. Schweigen ist Silber, Singen ist Gold.

— Gustav Mahler: Ich bin der Welt abhanden gekommen (Winter & Winter)

Eintauchen in das wundersame Mahler-Universum:

liebevoll, assoziationsreich – und musikalisch kühn mit

den Mahlerstudien des unerschrockenen Jazzpianisten

Uri Caine.

— Prima Carezza: Salon Music at Schumann’s Bar (Winter & Winter)

Schau doch nicht immer nach dem Tangogeiger hin: Hier tanzt noch einmal das alte Europa – von St. Petersburg bis Paris. Perlen der Salonmusik, ironisch und schmachtend.

— Mozart: Werke für

Klavier zu vier Händen. Tal, Groethuysen (Sony)

Gefeierte Interpreten, vom Esprit verlassen: steifes

Stochern, große Langweile

– und Schaudern vor dem

kommenden Mozart-Jahr.

— Amarcord Wien: Satie (Material Records)

Saties traumwandlerische Musik, arrangiert für Geige, Cello, Bass – und Akkordeon. Die Welt, wie von einem Heißluftballon aus

gesehen. Der Horizont flimmert. Zeit für einen Pastis.

— Grigory Sokolov spielt Bach, Beethoven, Brahms, Chopin (Naive)

Sokolov ist ein unbeirrbarer Individualist am Klavier – und er entdeckt dort eine Leichtigkeit, die nur jene erreichen, die sich mit ganzer Seele dem ernsten Spiel

verschreiben.

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