Kultur : Nachrichten

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— Martin Amis: Die Hauptsachen. A. d. Engl. v. Werner Schmitz. Hanser, München 2005. 456 S., 24,90 €.

Hauptsache komisch – alles andere war für Martin Amis meistens Nebensache. Auch sein Memoirenbuch ist um keine Pointe verlegen, aber wie er hier erste Liebe und letzte Fragen, ein Porträt seines Schriftstellervaters Kingsley Amis und die Geschichte seiner ermordeten Cousine Lucy vermengt – gorgeous! Ein Glücksfall an englischem Sprachwitz und menschlicher Kraft.

— Gerhard Falkner: Gegensprechstadt – ground zero. Gedicht. Buch und CD. kookbooks, Idstein 2005. 96 Seiten, 24,80 €.

Berlin als langes Gedicht: zum Lesen auf 60 Seiten (zuzüglich Anmerkungen), zum Hören in 59 Minuten und 21 Sekunden (inklusive der perkussiven Klänge von David Moss). Mit dem Ehrgeiz, „alle Moden zu zitieren und keiner zu gehorchen“. Und dem wunderbaren Anfang: „ich habe zu wenig geschlafen / in diesem jahrhundert!“

— Herbert Achternbusch: Bier. Bibliothek der Provinz, Weitra/Österreich 2005. 104 Seiten, 24 €.

„Ein Bier geht um die Welt“ heißt dieser deftige, krachbunte, urbayerische Aquarell-Zyklus im Untertitel – nur Herbert Achternbusch bleibt geduldig sitzen, wo diese Geschichte ihren Ausgang nimmt: im Weißen Brauhaus, ein paar Meter vom Münchner Marienplatz entfernt. Im Anhang: Porträts starker Frauen – der Bedienungen.

— Voltaire: Candide oder Der Optimismus. Aus dem Französischen von Ilse Lehmann. Nachwort von Harald Weinrich. dtv/C. H. Beck, München 2005. 176 S., 6 €.

Voltaires elegant-ironische Vernichtung von Leibnizens Theodizee in einer wohlfeilen und schön gestalteten Ausgabe – eine genüssliche Aufzählung aller irdischen Übel, mit der auf den Umschlag geprägten Frage: „Wenn dies die die beste aller möglichen Welten ist, wie sind dann bloß die anderen?“

— Egon Schwarz: Unfreiwillige Wanderjahre. Auf der Flucht vor Hitler durch drei Kontinente. Nachwort von Uwe Timm. Verlag C. H. Beck, München 2005. 260 Seiten, 12,90 €.

Die unglaubliche Autobiografie eines weisen alten Mannes: aufgewachsen als Jude in Wien, heute als einer der angesehensten amerikanischen Germanisten in St. Louis zu Hause. Auch ein spannendes Buch darüber, wie stark Leben und Literatur verknüpft sind.

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