Kultur : Nachrichten

Jan Schulz-Ojala

Zur „V for Vendetta“-Pressekonferenz geht man, offen gestanden, nur aus einem Grund – und das ist hochwahrscheinlich auch der einzige Grund, warum „V for Vendetta“ auf der Berlinale sein Gastspiel geben darf: Natalie Portman. Deshalb hier kein Wort über X und Y und Z, die allesamt ganz artige Sachen gesagt haben.

Nicht dass Natalie Portman nicht ebenfalls ganz artige Sachen sagen würde. Aber aus ihrem Munde klingen sie erstens schöner, zweitens frischer und drittens intelligenter. Oder umgekehrt. Und besonders wach. Aufrecht sitzt sie, wie eine Einser-Schülerin, sieht den Mitrednern immer zuhörend ins Gesicht, lacht auch mal, weil das dazugehört. Nur manchmal, wenn ein Anflug von Langeweile sich in der Physiognomie einer 24-Jährigen nicht völlig unterdrücken lässt, dann ist da ein Mini-Kräuseln auf der klaren Stirn. So wie wenn ein Schäfchenwölkchen die Sonne verdunkelt, wenn Sie verstehen, was ich meine.

Zum Film „V for Vendetta“ sagt sie nichts Besonderes, weil es zu diesem Film nicht Besonderes zu sagen gibt. Aber als sie nach ihrem Charity-Engagement für „Finca“ gefragt wird, eine Organsisation, die Frauen und Familien in der Dritten Welt unterstützt, knüpft sie an ihre knappe Antwort zur Sache eine schöne kleine motivische Theorie. Auch Schauspielen sei „praktizierte Empathie“, weil man sich dabei ja in jemand anderes verwandele; und Filme gucken sei in gewisser Weise dasselbe, weil man sich dabei in jemand anderen hineindenke – eine gemeinsame Reise also in „Glück und Trauer, Wut und Angst und Leben“. Und schon werde die Welt, weil wir sie uns anders vorstellen können, zumindest um eine Winzigkeit besser.

Sagt’s schmucklos, substanziell, niemandes Zeit raubend, stets konzentriert dasitzend in hellbraunem Leinenkleid. Dazu der freie Hals, auch er schmucklos. Wozu Schmuck tragen, wenn der Gedanke strahlt.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben