Kultur : Nachrichten

Bernhard Schulz

CHRISTOPH STÖLZL

Geschäftsführer

Die Aussichten auf eine Renaissance des (Bildungs-)Bürgertums in Berlin haben sich nicht erfüllt. Dessen politische Stimme hätte Christoph Stölzl sein wollen, doch nicht einmal die Partei, in der er dessen Heimat sah, mochte ihn so recht unterstützen. Fünf Jahre im Amt des stellvertretenden Abgeordnetenhaus-Präsidenten waren der Lohn für sein Engagement, das ihm die Berliner CDU ansonsten wenig dankte. Nun hat er in der Geschäftsführung der Villa Grisebach ein neues, für ihn im Grunde uraltes Betätigungsfeld gefunden. Denn der Umgang mit künstlerischen Objekten und das Aufspüren ihrer oft überraschenden Geschichte war ihm schon immer ein intellektuelles Vergnügen, das sich in ungezählten Katalogbeiträgen niederschlug. Als Direktor des Münchner Stadtmuseums zeigte er, wie man eine selbstgenügsame Institution in die erste Reihe anregender Treffpunkte führen kann, und als Gründungsdirektor des Deutschen Historischen Museums bestand er bravourös den Tanz auf dem Seil, gleichzeitig mit dem Aufbau einer respektablen Sammlung aus dem Nichts heraus spannende Ausstellungen zu gewichtigen Themen zu organisieren. Doch der Drang in die Politik – die er umgekehrt vom Geschichtsmuseum fernzuhalten verstand – erwies sich als stärker und führte ihn zunächst ins Amt des Kultursenators, ehe seine CDU in die Opposition abgewählt wurde. Im Umgang mit den Preziosen des Auktionshauses kann Stölzl auf seinen Ehrfurcht gebietenden Bildungsfundus zurückgreifen, ein homme de lettres, den man sich gar nicht anders denn als öffentliche Person vorstellen kann und mag – eben als Idealtyp des Bürgers.

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