Kultur : Nachrichten

Birgit Rieger

NICOLE HACKERT

Galerie Contemporary Fine Arts

Das Thema wird momentan sehr aktionistisch gehandhabt“, findet Nicole Hackert von der Galerie Contemporary Fine Arts. Dass der Schloßplatz genutzt wird, ist der Galeristin vor allem in städtebaulicher Hinsicht wichtig. Den Entwurf von Graft findet sie „spektakulär“, zur Kunsthalle selbst will sie sich allerdings erst äußern, wenn sie weiß, wer sie führt. Und was ist mit der Idee eines Beirats, aus dem sich die Kuratoren der Kunsthalle rekrutieren sollen, wie es Katja Bloomberg vom Haus am Waldsee vorschlägt? „Kunst ist Diktatur“, kontert Hackert. „Das muss eine Person in die Hand nehmen.“ Die Debatte um die Kunsthalle sei ohnehin eine Verlagerung der grundsätzlichen Problematik. „In Berlin mangelt es nicht an Raum. Es geht darum, dass Ideen realisiert werden“, sagt Hackert. „Und die scheinen nach wie vor zu fehlen.“

GITI NOURBAKHSCH

Galerie Giti Nourbakhsch

Irgendwann hat Giti Nourbakhsch die Diskussion um das Für und Wider und das Wo und Wie nicht mehr verfolgt. Dass nun konkretere Vorschläge für eine Kunsthalle auf dem Tisch liegen, nimmt die Galeristin freudig auf: „Toll wär’s schon.“ Skeptisch bleibt sie dennoch: „Woher soll ich wissen, dass es dann besser wird?“ Schließlich besitze Berlin schon jetzt ähnlich viele Häuser für Gegenwartskunst wie Frankfurt, Köln und Hamburg – dort aber finde man das interessantere Programm. Nourbakhsch hofft auf die kluge und mutige Leitung einer Kunsthalle. Der Frage nach dem Ausstellungsort und der Architektur möchte sie deshalb andere Fragen voranstellen: Welcher Kurator wird verantwortlich sein, welche Mittel stehen ihm zur Verfügung, wer sind die Entscheidungsträger? Wenn alles gut geht, könnten sich die Galerien und die Kunsthalle wunderbar ergänzen: Die Galerien formulieren Thesen, entdecken Künstler und bauen sie auf, die Kunsthalle bietet zusätzliche Anregung für das interessierte Publikum. Theoretisch. Daniel Völzke

GEER POULS

Galerie Brutto Gusto

„Berlin ist eine Kunstmetropole geworden“, findet Geer Pouls. Er muss es wissen: Zu Mauerzeiten wohnte er im Westteil der Stadt, führte dann 15 Jahre lang eine Galerie in Rotterdam und gab Anfang des Jahres doch der Versuchung nach: „Brutto gusto“ heißt seine neue Galerie in Mitte. Das klingt fein, bedeutet aber „schlechter Geschmack“.

Wie eine neue Kunsthalle für Berlin aussieht, ist für Pouls zweitrangig. Hauptsache, sie wird gebaut. Dabei hat er durchaus die Kundschaft im Blick: „Ich glaube, dass eine Kunsthalle das Sammeln anregt.“ Ganz im Sinn des bürgermeisterlichen Leitspruchs könne Berlin „arm, aber sexy“ bleiben, wenn die Kulturszene jetzt gemeinschaftlich für einen Ort der zeitgenössische Kunst trommelt. „Ich glaube nicht, dass die Kunsthalle besonders teuer würde“, sagt Pouls und lächelt, „der Entwurf sieht billig aus – und sexy.“ Jens Hinrichsen

ANSELM DREHER

Galerie Anselm Dreher

Das „Ja“ kommt direkt. Für Anselm Dreher steht die Notwendigkeit einer neuen Kunsthalle für Berlin außer Frage. Er freut sich über die Initiative des Kunstmagazins „Monopol“, die wieder Bewegung in die Diskussion gebracht hat. Deren „Wolke“ ist ihm jedoch zu sentimental: „Als Ritter des Minimalismus bin ich natürlich für den Entwurf der Österreicher.“ Den Kubus von Adolf Krischanitz, den die Kuratorinnen von „White Cube“ zur Debatte stellen, schätzt er nicht nur aufgrund seiner Flexibilität. „Der ist eindeutig als Interimslösung erkennbar: ideal für neue Konzepte und ungewohnte Sichtweisen.“ Auf Dauer müsse die Kunsthalle natürlich institutionalisiert werden. Das hat Dreher schon 1994 in der Publikation „Zur Lage der Kunst in Berlin“ gefordert. Internationale Strahlkraft und kuratorische Prägnanz stehen für ihn bis heute ganz oben, die Standortfrage sei dagegen sekundär. Einen Ort, der gut angebunden ist, wünscht er sich. Nicht zuletzt aus den Erfahrungen mit der einstigen Kunsthalle im Berliner Westen, die in einer Art Flaniermeile unterging. Entscheidend ist jedoch die künstlerische Leitung: Eine Kunsthalle sollte „nicht verlängerter Arm händlerischer Interessen sein“. Michaela Nolte

MAX HETZLER

Galerie Max Hetzler

„Seit 1993 bin ich in Berlin, und seitdem wird über eine Kunsthalle diskutiert. Dabei sollte das eine Selbstverständlichkeit sein“, meint Max Hetzler. Ihn irritiert, dass dieses Thema überhaupt so intensiv diskutiert wird. „Man fragt sich doch viel mehr, warum es in Berlin bisher keine Kunsthalle gibt. Weshalb lässt die Politik die kleinen Kunstinstitutionen seit Jahren an räumlichen und finanziellen Engpässen scheitern und entscheidet sich stattdessen nicht für eine große Lösung?“

Nun rückt die große Lösung in greifbare Nähe. Eine Schnittstelle zwischen einer Berliner Kunsthalle und den kommerziellen Galerien der Stadt sieht Hetzler allerdings nicht. „Galeristen haben dazu nichts zu melden. Eine Kunsthalle muss finanziell und inhaltlich unabhängig sein. Das ist allein Aufgabe des Landes Berlin.“ Hetzler plädiert als internationaler Galerist für eine staatliche Dauerlösung. „Ich bin absolut gegen eine temporäre Kunsthalle. Es ist ein Treppenwitz, darüber nachzudenken. Einer Stadt wie Berlin wird so ein Ansatz überhaupt nicht gerecht. Eine Kunsthalle muss langfristige Arbeit leisten“, so Hetzler, „dann ist es auch egal, wo sie steht, ob auf dem Schloßplatz, hinter dem Hamburger Bahnhof oder im Wedding. Der Ort bedeutet nichts, nur der Inhalt zählt.“ Birgit Rieger

LISE NELLEMANN

Sparwasser HQ

„Eine Idee wie der ,White Cube‘ interessiert mich nicht. Das ist ein Showroom für Künstler etablierter Galerien“, meint Lise Nellemann. Die Leiterin und Kuratorin des Projektraumes „Sparwasser HQ“ würde am lieber selbst einen Vorschlag für die geplante Kunsthalle machen. „Eine Kunsthalle sollte reflektieren, was ihn Berlin an künstlerischer Produktion passiert.“ Die Idee, ein Prestigegebäude auf dem Schloßplatz zu errichten, findet die in Dänemark geborene Künstlerin „merkwürdig“. Berlin habe bereits jede Menge Museen und Institutionen, die kein Geld für Kunstproduktion ausgeben können. Dagegen funktioniere „die künstlerische Selbstorganisation seit langem sehr gut. Das sollte sich im Programm einer Kunsthalle widerspiegeln“.

Vorzeigemodell ist für Nellemann die Londoner Initiative „Artangel“, die seit den Neunzigern ambitionierte Künstlerprojekte unterstützt. So könnte auch eine Kunsthalle arbeiten. Birgit Rieger

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