Kultur : Nachrichten

Daniel Völzke

JAN WINKELMANN

Galerie Jan Winkelmann

„Da gibt es noch viel Platz“, meint Jan Winkelmann. Nicht nur eine Baulücke auf dem Schloßplatz gelte es zu füllen, sondern auch die institutionelle Leerstelle, was die Repräsentation von Berliner Gegenwartskunst angeht. Diese Aufgabe müssten bislang Galerien und Off-Orte übernehmen. „Gern würde ich in einer Kunsthalle Arbeiten sehen, die ich nicht in Galerien finde.“ Eine solche Institution sollte auch ein Ort sein, der den Kunstbetrieb diskursiv füttert. Winkelmann wünscht sich einen Kurator, „der in Berlin lebt, mit feinen Antennen das intellektuelle Klima der Stadt aufnimmt und in ein adäquates Programm übersetzt“. Diese gesteigerte Aufmerksamkeit für Zeitgenössisches würde Künstlern und Galerien guttun. Deshalb sollten die beiden Initiativen für die Kunsthalle ihre Energien bündeln und aufpassen, dass sie sich nicht verzetteln und ihre Kräfte gegeneinander ausspielen: „Grabenkämpfe sind Unsinn!“, findet Winkelmann.

JOANNA KAMM

Galerie Kamm

Die Wolke gibt es schon. Sie ist aus Trockeneisnebel und breitet sich über den Boden aus. Mit Guillaume Leblon zeigt Joanna Kamm einmal mehr einen Künstler der minimalen Gesten – wohl auch daher muss es für die Galeristin keine schicke „Wolke“ für die zeitgenössische Kunst sein. Der „White Cube“, entworfen von Adolf Krischanitz, täte es auch. Kamm gefiel schon der Vorgängerwürfel, der sich bis 2002 in Wien bewährt hat: „Die Box ist funktionaler als die Wolke, die Raum für Kunst verschenkt.“ Dass sie den zurückhaltenden Entwurf der spektakulären Idee des Architekturbüros Graft vorzieht, hat aber auch etwas mit ihren ästhetischen Vorlieben zu tun.

„Ob Wolke oder Box, es muss etwas passieren“, sagt Kamm, für die es ein Unding ist, dass junge Kunst ihren Platz fast ausschließlich in der Berliner Galerie-Szene findet. Auch wenn auf die temporäre eine feste Kunsthalle folgt – auch die bisherigen Museen sollten nach Meinung der Galeristin wieder in die Verantwortung genommen werden. London sei hier leuchtendes Beispiel. Das engstirnige „deutsche“ Verständnis von den Aufgaben eines Museums kann sie dagegen nur schwer nachvollziehen. „Es muss in Berlin einen Ankaufsetat auch für zeitgenössische Positionen geben“, fordert Joanna Kamm. Und guckt damit weit über den Wolkenrand. Jens Hinrichsen

RUDOLF KICKEN

Galerie Kicken

„Eine Katastrophe hat immer auch ein Geschenk in der Hand“, sagt Rudolf Kicken, der Stoiker unter den Berliner Galeristen. Die Katastrophe: Heiner Bastians geräuschvoller Abgang als Kurator im Hamburger Bahnhof. Das Geschenk: „In der dadurch entfachten Diskussion um eine temporäre Kunsthalle wird auch über neue Architektur geredet, die sich erfrischend vom gängigen Berliner städtebaulichen Konservatismus unterscheidet“, freut sich Kicken, der seit über 30 Jahren als Galerist für Fotokunst arbeitet.

Natürlich müsse die Politik sich auf die Museumsinsel konzentrieren, doch dürfe sie die Nebenschauplätze nicht vergessen. Wenn Berlin jetzt auch auf Gegenwartskunst setze, könne die Stadt Paris den Rang als erster Kulturmetropole ablaufen. Kicken findet die Entwürfe der „Monopol“- und der „White-Cube“-Initiative gleichermaßen reizvoll. Auch die Idee, später einen dauerhaften Ort für die Kunst des 21. Jahrhunderts am Hamburger Bahnhof zu installieren, hält er für „genial“. Vermisst er denn – obwohl es endlich ein Museum für Fotografie gibt – Raum für zeitgenössische Fotokunst? „Top-Ausstellungen gehen immer noch an der Stadt vorbei.“ Daniel Völzke

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