Nachruf auf Daliah Lavi : Die Tänzerin mit der rauchigen Stimme

Aus Versehen berühmt: In den Siebzigern wurde die in Israel geborene Filmschauspielerin zum deutschen Schlagerstar. Zum Tod von Daliah Lavi.

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Schön und schwermütig. Daliah Lavi, 1942 - 2017, hier fotografiert bei ihrem letzten Auftritt im deutschen Fernsehen im Jahr 2008. Foto: Bernd Thissen/dpa
Schön und schwermütig. Daliah Lavi, 1942 - 2017, hier fotografiert bei ihrem letzten Auftritt im deutschen Fernsehen im Jahr 2008.Foto: Bernd Thissen/dpa

Der Nahostkonflikt erreichte den deutschen Schlager anno 1971 mit Akustikgitarrenakkorden, Xylofongesäusel und gedämpften Trompeten. „Über der Stadt lacht das Sonnenlicht, doch bei den Menschen find ich oft das Lachen nicht / Denn es gibt andere Dinge, von denen man spricht in Jerusalem“, sang Daliah Lavi. „Jerusalem“ war ein Song über eine Stadt aus weißen Mauern, die vom Frieden träumt. Daliah Lavis Timbre klang rauchig, und wenn sie in Rainer Holbes „Starparade“ oder bei Wim Thoelke in der Quizshow „Drei mal Neun“ auftrat, sah sie aufregend und exotisch aus. Mit knöchellangen Folklorekleidern, rotbraun wallenden Haaren und großen schwarzen Augen verkörperte sie das schwermütige Gegenmodell zum Frohsinn der Schunkelunterhaltung.

Lächeln sah man sie nie. „Ich war sehr erfolgreich, mein Leben klang wie ein Märchen“, erzählte sie dreißig Jahre später. „Aber ich war nicht glücklich. Meine Ehen scheiterten, mir ging es nicht gut. Das sehe ich jetzt, damals dachte ich: Das Leben ist eben so. So naiv war ich.“

Daliah Lavi ist eher aus Versehen berühmt geworden. Geboren wurde sie 1942 in einer Genossenschaftssiedlung bei Haifa, die von schwäbischen Juden auf der Flucht vor der Shoah gegründet worden war. Ihre Mutter stammte aus Breslau, der Vater war Russe. Mit zehn Jahren bekommt die Tochter Ballettschuhe geschenkt, kurz darauf erhält sie ein Stipendium für die Königliche Ballettschule in Stockholm. Die Ausbildung muss sie abbrechen, weil sie zu schnell gewachsen ist – „die größte Enttäuschung meines Lebens“.

Sie dreht mit Orson Welles, Dean Martin, Pierre Brice

Zurück in Israel arbeitet Lavi als Fotomodell. Ein Produzent sieht ein Foto von ihr im Schaufenster und gibt ihr die Hauptrolle im deutsch-israelischen Abenteuerfilm „Brennender Sand“. Sie dreht mit Orson Welles, Dean Martin, Curd Jürgens und spielt an der Seite von Pierre Brice in der Karl-May-Verfilmung „Old Shatterhand“. Als sie 1969 in einer BBC-Show Folksongs singt, wird der Popmogul Mike Sloman auf sie aufmerksam. Es folgen: ein Plattenvertrag, Aufnahmen auf Italienisch, Spanisch, Französisch, Deutsch. Hier wird sie mit Singleerfolgen wie „Oh, wann kommst du“ oder „Willst du mit mir gehn“ zum Star.

Mitte der achtziger Jahre zog Lavi sich dann aus der Musikbranche zurück, seither lebte die vierfache Mutter mit ihrem vierten Ehemann, einem Industriellen, in North Carolina. 2008 veröffentlichte sie das Album „C’est la vie“ und verabschiedete sich mit einer ausverkauften Tournee von ihren deutschen Fans. Ihr Leben sah Daliah Lavi als „Baum mit vielen ineinander verschränkten Ästen“. Erst im Nachhinein ergebe alles einen Sinn. „Ich habe angefangen in einem kleinen Dorf in Israel, nun ende ich in einer kleinen Stadt in Amerika.“ Dort, in ihrer amerikanischen Wahlheimat Asheville ist Daliah Lavi, wie jetzt bekannt wurde, bereits am Mittwoch gestorben.

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