Nachruf auf Lola Müthel : Letzte Diva

Gustav Gründgens holte Lola Müthel 1936 ans Berliner Staatstheater. Sie wurde ein Ufa-Star und nach dem Krieg eine große Theater-Diva. Nun ist die Schauspielerin mit 92 Jahren gestorben.

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Foto: Ursula Düren, dpaFoto: picture-alliance/ dpa

Als Hans Neuenfels 1988 an der damaligen Freien Volksbühne in Berlin die Uraufführung von Tankred Dorsts D’Annunzio-Drama „Der verbotene Garten“ inszenierte, besetzte er die Rolle der „La Divina“ genannten Großschauspielerin und Dichtergeliebten mit Lola Müthel. Mit jener „Göttlichen“ war die Duse, einst Europas größte Theaterdiva, gemeint. Und das passte nur zu gut. Denn Lola Müthel, die am vergangenen Sonntag mit 92 Jahren in ihrem Haus in Gräfelfing bei München gestorben ist, war nun selber die letzte deutsche Diva.

Gustaf Gründgens hatte sie 1936 als gerade 17-jährige Schauspielschülerin zu sich ans Staatstheater Berlin geholt, wo bereits ihr Vater Lothar Müthel als Regisseur und Darsteller arbeitete. Vater Müthel, ein NS-Theatermann, ging dann 1939 als Direktor ans Wiener Burgtheater, wo er den berühmt berüchtigten „Kaufmann von Venedig“ mit Werner Krauß als antisemitischer Shylock-Karikatur inszenierte. Derweil wurde die Tochter auch ein junger Ufa-Star und spielte in Filmen wie „Achtung! Feind hört mit!“ (1940) und dem Friedrich-Biopic „Der große König“.

Nach dem Krieg setzte Lola Müthel ihre Karriere dann in Film und Fernsehen fort, trat zuallererst jedoch im Theater hervor, wo sie zwischen Berlin, Frankfurt/Main, München und den Salzburger Festspielen ernste Klassiker und bisweilen auch Komödien verkörperte. Wuchtig, groß, rotmähnig war sie eine deklamatorisch starke Tragödin, spielte die Iphigenie, Medea und Maria Stuart oder auch eine Thomas-Bernhard-Heroine in Jürgen Flimms früher Münchner Version des „Fests für Boris“. Vom Typ her die teutonische Sexbombe, ähnlich der Diseuse Evelyn Künneke, brillierte sie in „Kiss me Kate“. Und als noch immer fesche Lola wurde sie mit 70 in George Taboris „Mein Kampf“ sogar zur sarkastisch eleganten Hitler-Muse Madame le Mort.

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