Nachruf auf Pierre Bergé : Der Mann hinter Saint-Laurent

Bekannt wurde Pierre Bergé vor allem als Lebenspartner von Yves Saint-Laurent. Doch er war auch ein erfolgreicher, Opern-Direktor und Mäzen. Jetzt ist er mit 86 Jahren gestorben.

Frederik Hanssen
Pierre Bergé
Pierre BergéFoto: Reuters

Pierre Bergé war keiner, der im Rampenlicht stand. Und doch gehörte er über Jahrzehnte zu den prägenden Persönlichkeiten der französischen Kunst- und Kulturszene. „Schon als ich jung war, entschied ich mich für den Schatten. Manchmal ist es im Schatten sehr kalt. Aber ich weiß, was passiert, wenn man immer in der Sonne steht“, hat er im Juli dem „Zeit-Magazin“ gesagt.

Mode als Unternehmen

Für die breite Öffentlichkeit war der 1930 an der französischen Atlantikküste geborene Pierre Bergé stets der Mann an der Seite von Yves Saint-Laurent. 1958 lernten sich die beiden kennen, als der 22-jährige Saint- Laurent gerade seine erste Kollektion für Dior vorgestellt hatte. Schon 1960 gründeten sie im feinen 16. Arrondissement von Paris ihr eigenes Modehaus. „Ich habe ihn nicht ,gemacht‘. Man ,macht‘ keinen Künstler“, sagte Pierre Bergé nach Saint-Laurents Tod 2008 in einem Interview. „Man kann ein Genie, und das war er, nur begleiten, man kann ihm helfen, Arbeit abnehmen.“

Als Paar gingen sie durch schwere Zeiten, weil der Modeschöpfer jahrelang mit schweren Depressionen kämpfte sowie mit Alkohol- und Drogenproblemen. Wirtschaftlich aber florierte ihr Unternehmen, das Pierre Bergé führte – wobei ihm noch genug Zeit blieb, sich nebenbei sowohl kulturell wie gesellschaftlich zu engagieren.

Immer ein Linker

Politisch stand der Manager stets auf der Seite der Linken, wurde zu einem engen Freund von Francois Mitterrand, der ihm von 1988 bis 1994 das Management der neuen Bastille-Oper in Paris anvertraute. Bereits Ende der siebziger Jahre hatte er das „Théâtre de l’Athénée“ geleitet. Er finanzierte die Restaurierung von Emile Zolas Haus in Médan, unterstützte als Mäzen den Louvre wie das Centre Pompidou und rettete 2010 zusammen mit zwei Partnern die Tageszeitung „Le Monde“ vor der Insolvenz, mit einer Finanzspritze von 110 Millionen Euro.

Kampf für Gleichberechtigung

Unermüdlich kämpfte Bergé für die Rechte von Homosexuellen. Der von ihm gegründeten Aids-Stiftung floss die Hälfte der 370 Millionen Euro zu, die zusammenkamen, als Bergé 2008 nach dem Tod von Saint-Laurent die gemeinsame, mehr als 700 Objekte umfassende Kunstsammlung versteigern ließ. Die andere Hälfte des Erlöses wurde in eine Stiftung eingebracht, die das Werk des Modeschöpfers würdigt. Die Eröffnung der beiden Saint-Laurent-Museen in Marrakesch sowie in Paris im Oktober kann Pierre Bergé nun nicht mehr erleben. Im Alter von 86 Jahren ist er in seinem Haus in der Provence gestorben.

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