Nachruf : Claude Vasconi: In Bewegung

In Frankreich zählte er zu den Großen seiner Zunft, pflegte aber immer auch den Kontakt zu Berlin und nahm hier an Wettbewerben und Preisgerichten teil. Ein Nachruf auf den Architekten Claude Vasconi

Falk Jaeger

Sein bekanntestes Werk ist auch sein umstrittenstes. Als der „Bauch von Paris“ verschwand, sprich: die legendären Markthallen 1973 abgerissen wurden, gewann der aus dem Elsass stammende und zunächst als Assistent von Rolf Gutbrod und Frei Otto in Stuttgart arbeitende junge Architekt Claude Vasconi den Wettbewerb für die Neugestaltung der Place du Châtelet. Das vier Hektar große Einkaufszentrum war nicht im Sinne der Pariser, die den Hallen lange nachtrauerten. Mit gewächshausartigen Strukturen versuchte Vasconi, wenigstens die Erinnerung an die Hallen wachzuhalten.

Ansonsten erinnern seine Entwürfe eher an die klassische Moderne, vor allem an den Dynamismus der Konstruktivisten und die schwungvoll-eleganten Entwürfe eines Erich Mendelsohn. Die Departementverwaltung in Straßburg (1989), das großartige Kulturzentrum La Filature in Mulhouse (1993) oder das Kongresszentrum in Reims (1994) sind Bauwerke großen Zuschnitts, die durch schwungvolle Linienführung in Bewegung geraten und ihre Dimension vergessen lassen. Gern steckte er seine Häuser in elegante Karosserien.

Vasconi, der in Frankreich zu den Großen seine Zunft zählte, pflegte immer auch den Kontakt zu Berlin, nahm hier an Wettbewerben und Preisgerichten teil. Stattlich in der Erscheinung, den schönen Dingen des Lebens zugewandt und meist gut gelaunt, streifte er mit wehendem Mantel durch seine Berliner Baustellen. Für die Umnutzung der LokomotivfabrikHallen am Borsigturm zum Einkaufszentrum fand er eine Alt und Neu vereinende technizistische Architektursprache. Wenig Fortüne hatte er mit seinem Bauvorhaben Am Juliusturm. Das Großprojekt des Gewerbeparks am Spandauer Tor blieb in der Rezession 1999 stecken. Realisiert wurde nur ein Büroriegel, der nun recht beziehungslos in der Gegend steht; die Betontreppentürme für die weiteren Riegel wurden wieder abgerissen. Noch weniger Glück war dem Projekt Centre Paris-Berlin von 1992 beschieden, dessen Grundstück an der Mollstraße noch immer brachliegt. Gebaut wurde hingegen ein Bürohaus im Quartier 30 an der Markgrafenstraße beim Gendarmenmarkt.

Am vergangenen Mittwoch ist Claude Vasconi im Alter von 69 Jahren in Paris gestorben.

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