Nachruf : Der Kenner: Werner Schulze-Reimpell

,Er gehörte gleichsam zum Urgestein der deutschen Theaterkritik. Zum Tod des Kritikers Werner Schulze-Reimpel, der regelmäßig auch für den Tagesspiegel schrieb.

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Vor ein paar Jahren noch gab es zwischen Hamburg, Berlin und Wien kaum eine wichtige Premiere ohne diesen hochgewachsenen, graubärtigen Herrn Doktor Überall. Doch der promovierte Philologe Werner Schulze-Reimpell, der vermutlich 250 Abende im Jahr im Theater verbrachte, hatte immer etwas von freundlich bescheidener Zurückhaltung. Er war nicht der typische Adabei, sondern nur ein unendlich fleißiger Theaterliebhaber, der auch vor keiner Provinzbühne zurückschreckte und seine Leidenschaft hinter der Maske nordwestdeutscher Unerschütterlichkeit verbarg. Dabei schrieb er für viele Blätter, von der „Welt“ und der „Stuttgarter Zeitung“ bis zuletzt für den „Rheinischen Merkur“, er war Mitte der 70er Jahre Chefredakteur der Zeitschrift „Die deutsche Bühne“ und Pressereferent des Deutschen Bühnenvereins, fungierte als Vorsitzender des Deutschen Kritikerverbands, schrieb in den 80er Jahren auch regelmäßig für den Tagesspiegel und gab mehrere Bücher heraus: so 2005 die eigene Aufsatzsammlung „Zwischen Rotstift und Spaßzwang. Ist das Theater noch zu retten?“.

Schulze-Reimpells bleibende Leistung ist freilich die Mitbegründung des seit 1976 vergebenen Mülheimer Dramatikerpreises und des zugehörigen „Stücke“-Festivals, bei dem alljährlich die wichtigsten neuen deutschsprachigen Theatertexte präsentiert werden. Fünfzehn Jahre gehörte Werner Schule-Reimpell auch der Mülheimer Jury an, streitbar und kenntnisreich. Jetzt ist er mit 79 Jahren in Hamburg gestorben.

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