Nachruf : Eigensinniger Solitär

Verteidigte das Recht gegen die Politik, die es nur als ein weiteres Instrument zur Gestaltung der Zukunft gebrauchen wollte: Der amerikanische Rechts- und Moralphilosoph Ronald Dworkin ist tot.

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Der amerikanische Philosoph Ronald Dworkin ist am Donnerstag im Alter von 81 Jahren in London gestorben. Dworkin machte sich vor allem durch seine Beiträge zur Rechtsphilosophie, politischen Philosophie und Moralphilosophie einen Namen. In seiner Theorie des law as integrity wandte er sich gegen den sogenannten Positivismus in der Rechtsprechung.

Diese Schule sieht Rechte von Bürgern nur dann als gegeben, wenn sie zuvor von der Gemeinschaft in Gesetzestexten festgehalten wurden, etwa in Grundrechtekatalogen, wie sie die Verfassung der USA und Deutschlands kennen. Dworkin vertrat hingegen die Ansicht, dass jeder Mensch gewisse natürliche Rechte habe, die so nicht extra festgeschrieben werden müssten. Allein die Würde des Menschen genüge, um solche Rechte selbstverständlich zu machen – allen voran natürlich die grundlegenden Menschenrechte. Entsprechend hatten seine Theorien gerade in der Diskussion um Bürgerrechte erheblichen Einfluss. „Er ist ein Solitär sowohl im Kreise der Rechtsgelehrten wie der Philosophen“, sagte der Philosoph Jürgen Habermas 2006 in seiner Laudatio auf Dworkin, als dieser den Bielefelder Wissenschaftspreis bekam.

Dworkin habe den „Eigensinn“ des Rechts verteidigt, so Habermas: „Er kämpft nicht nur gegen Rechtspositivisten, die die moralischen Gehalte des Rechts neutralisieren, sondern auch gegen Rechtsrealisten, die das Recht an die Politik angleichen und es als ein weiteres Instrument zur Gestaltung der Zukunft gebrauchen.“ Auf Deutsch erschien zuletzt bei Suhrkamp Dworkins Buch „Gerechtigkeit für Igel“. Darin entwickelte Dworkin eine Geschichte der Moral, die über Fragen der Ethik bis hin zur Politik und zum Recht führt. dpa/Tsp

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