Nachruf : Ezard Haußmann - der Unerschrockene

Er hat den Teufel gespielt und den Jedermann, seine Bühnenfiguren sind streitlustig. Ezard Haußmann zählte zum Urgestein des DDR-Theaters. Am Samstag ist der Schauspieler im Alter von 75 Jahren in Berlin gestorben.

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Ezard Haußmann
Ezard HaußmannFoto: dapd

Ezard Haußmann spielte Shakespeares Prospero und Schillers König Philipp, den Chorführer im „Ödipus“, den Harpagnon in Molières „Der Geizige“ und Hendrik in der Theateradaption von Sándor Márais „Die Glut“. Seine Bühnenfiguren sind streitlustig, voller sprödem Humor, mit dem Mut zur Derbheit und zum Boulevard und mit wie aus Stein gemeißelter Emotion.

Ezard Haußmann war ein leidenschaftlicher, mitunter wilder Spieler, einer, der sich auch politisch den Mund nicht verbieten ließ: 1968 legte er aus Protest gegen die gewaltsame Beendigung des Prager Frühlings einen Kranz vor der Tschechischen Botschaft in Ost-Berlin nieder, wurde wegen "Staatsbeleidigung" angeklagt, kam mehrere Monate ins Gefängnis und erhielt zehn Jahre lang Berufsverbot. Ostalgie? Die hat er später gehasst.

1935 in Charlottenburg geboren, brachte der Sohn einer 1956 in die DDR übergesiedelten Theaterfamilie sich die Schauspielerei zunächst selbst bei. Mit einem Ernst-Busch-Schauspieldiplom in der Tasche gelangte er dann über Quedlinburg und Wismar zum Deutschen Theater, spielte 24 Jahre lang Charakterrollen an der Volksbühne und gehörte nach dem Mauerfall unter anderem zum Ensemble des Schauspielhauses Bochum, unter der Intendanz seines Sohns Leander.

Haußmann zählt zum Urgestein des DDR-Theaters wie der Defa. In über 150 Filmen spielte er mit, in Defa-Großproduktionen wie in Krimi- und Abenteuerserien fürs Fernsehen; Klaus Kinski lieh er seine Synchronstimme. Ein Volksschauspieler, ein Theatertier, ein Familientier: Er arbeitete am Wiener Burgtheater genauso wie im Theater am Kurfürstendamm, stand unter Regie von Luc Perceval oder Heribert Sasse auf der Bühne und machte sich für die Erhaltung des Steglitzer Schlossparktheaters stark. Immer wieder trat er in den Inszenierungen und Filmen seines Sohns auf, in „Sonnenallee“, „NVA“ und in Bühnenklassikern hatte er größere wie kleinere Auftritte. Die letzte große Rolle eines rebellischen Seniors in der Kinokomödie „Dinosaurier – Gegen uns seht ihr alt aus!“ hat Leander Haußmann seinem Vater regelrecht auf den Leib geschrieben. Als pensionierter Manager Johann Schneider plant er vom Altersheim aus einen großen Coup, verliebt sich, amüsiert sich prächtig und tanzt auf dem Potsdamer Platz.

Im Sommer 2009 wurde ein Hirntumor bei ihm festgestellt, über die Krebskrankheit, die Operationen und Chemotherapien hat er offen gesprochen. Am Samstag ist Ezard Haußmann, der Unerschrockene, im Kreis seiner Familie mit 75 Jahren in Berlin gestorben.

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