Nachruf : Gisela Holan: Die Museumsinsel ist ihr Werk

Wer war die Frau, die die größte, langwierigste und teuerste Bauaufgabe Berlins gemeinsam mit der Bundesbaugesellschaft seit zehn Jahren elegant, kostengetreu und termingerecht betreute? Bauen als Beruf: zum Tod von Gisela Holan.

Christina Tilmann
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Gisela Holan.dpa

Ihr letztes großes Werk hat sie schon nicht mehr feiern können. Bei der Schlüsselübergabe des von David Chipperfield wiederaufgebauten Neuen Museums auf der Berliner Museumsinsel im März war Gisela Holan krankheitsbedingt nicht mehr dabei. Michael Eissenhauer, der Generaldirektor der Staatlichen Museen zu Berlin, schickte ihr in seiner Festrede die herzlichsten Genesungswünsche nach Hause und würdigte gleichzeitig die Rolle, die sie für die Restaurierung und Wiedergewinnung der Museumsinsel gespielt hat. „Heute ist ihr Tag.“

In ihrer Traueranzeige sprechen die Staatlichen Museen und die Stiftung Preußischer Kulturbesitz nun von der „mitreißenden Persönlichkeit“, die Gisela Holan für alle Mitarbeiter gewesen sei. Das war sie – und der Fels in der Brandung, bei den komplexen Bauvorgängen, die sie betreut hat. Leiterin der Abteilung Bau, Technik und Innerer Dienst: Das klingt nach Schreibtisch und Bauhelm, nach Detailarbeit und Hintergrundwirken. Doch wer je das Glück hatte, von Holan über eine ihrer zahlreichen Baustellen geführt zu werden, sei es die Alte Nationalgalerie, das Bodemuseum oder zuletzt das Neue Museum, erlebte eine leidenschaftliche Fachfrau, die genauso exakt technische Details, Zahlen und Pläne, Sorgen und Sanierungsprobleme erläutern wie begeistert von den wunderbaren Häusern schwärmen konnte, die unter ihrer Aufsicht wiedererstanden.

Wer war die Frau, die die größte, langwierigste und teuerste Bauaufgabe Berlins gemeinsam mit der Bundesbaugesellschaft seit zehn Jahren elegant, kostengetreu und termingerecht betreute? Seit 1984 war Gisela Holan bei den Staatlichen Museen, war zu DDR-Zeiten stellvertretende Generaldirektorin, zuständig für die Auslandsarbeit und Sonderausstellungen, und nach der Wende dann verantwortlich für die Wiedervereinigung der Sammlungen Ost und West. 1990 bis 1991, in den Jahren der Wiedervereinigung, war Gisela Holan Leiterin der Generalverwaltung der Staatlichen Museen (Ost), „eine Art Zusammenführungs-Ministerin“ hat sie sich einmal genannt – um sich dann, ab 1992, noch einmal mit Schwung in die große, neue Aufgabe als Baureferentin zu stürzen.

Ein weiter Weg. Er hatte die gelernte Chemiefacharbeiterin und promovierte Literaturwissenschaftlerin unter anderem ins Kulturministerium der DDR, Abteilung Theater geführt, ausgerechnet 1976, im Jahr der Biermann-Ausbürgerung, ein Schleudersitz, und „schließlich hat es mich auch rausgeschleudert“, sagt sie selbst. Die DEFA, die Staatsoper lockten mit neuen Aufgaben, doch Gisela Holan zog es auf die Museumsinsel: ein Neuanfang, und auch kein ganz bequemer.

„Unser Schloss, unser Märchenschloss“ hat sie die Alte Nationalgalerie genannt – jenes Haus, das sie als Kind schon liebte und das 2001 als Erstes wiederhergestellt war. Am 31. Oktober 2009, nach der Wiedereröffnung des Neuen Museums, wäre sie in Pension gegangen – und hat sich darauf gefreut, endlich Zeit für die Sammlungen zu haben, als ganz normale Besucherin. Am 22. Juli ist Gisela Holan im Alter von 64 Jahren gestorben. Christina Tilmann

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