Nachruf Josef Anton Riedl : Klang, Duft, Licht

Pionier des Neuen Musik: Der Münchner Komponist und Aktivist Josef Anton Riedl ist tot.

Im Alter fast eine Ähnlichkeit zu John Cage. Josef Anton Riedl.
Im Alter fast eine Ähnlichkeit zu John Cage. Josef Anton Riedl.Foto: p-a/Andreas Heddergott/Sueddeutsche

Welche Ungetüme die elektronische Musik einst zeugte, bevor sie klein und handlich wurde, lässt sich im Deutschen Museum an der Isar eindrucksvoll besichtigen. Das 1960 unter der Leitung von Josef Anton Riedl institutionalisierte Siemens-Studio, das Pierre Boulez, Karlheinz Stockhausen und Dieter Schnebel zu seinen Gästen zählte, hat dort mit seiner Lochstreifentechnik die letzte Heimstatt gefunden. Schon fünf Jahre zuvor hatte der Ende der 20er Jahre in München geborene Riedl auf Vermittlung seines Lehrers Carl Orff den Kompositionsauftrag für einen Imagefilm des Konzerns erhalten, in dessen Zug zahlreiche Tongeneratoren neu entwickelt wurden.

In Paris hatte er Pierre Schaeffer und dessen musique concrète kennengelernt: Es war die Initialzündung, sich für den Rest seines Lebens, das am Karfreitag in seinem Haus in Murnau am Staffelsee zu Ende ging, als Klangforscher zu betätigen. Riedl hielt leidenschaftlich an einer Idee avantgardistischer Kunst fest, die eigentlich überholt war, doch so, wie er sie inszenierte, mitreißend wirkte. In München war er bald nicht nur als Komponist bekannt, sondern auch als Veranstalter.

Fast drei Jahrzehnte lang putzte er mit seinen „Klang-Aktionen“ dem Münchner Konzertpublikum mit Neuer Musik die Ohren aus. Er kuratierte im Auftrag des Bayerischen Rundfunks die von Karl Amadeus Hartmann begründete Reihe „musica viva“ und organisierte Multimedia-Happenings mit Duft und Licht. Als Komponist, der ein besonderes Verhältnis zur Perkussion besaß, verehrte er Edgar Varèse und Iannis Xenakis. Seine Stücke notierte er konventionell, aber auch in reizvollen Zeichnungen, aus denen die ursprüngliche Klangvorstellung, wie er sagte, längst gewichen war, aber gerade deshalb zum Assoziieren einladen sollte. Er gehörte auch zu den Pionieren der Lautpoesie nach 1945 und fand in der international angelegten Bestandsaufnahme seines Schülers und Ensemble-Mitglieds, dem Dichter Michael Lentz, den ihm gebührenden Platz. dotz