Nachruf : Kante zeigen

Zum Tod des Malers Kenneth Noland: Mit seinen streng um das Bildzentrum herum organisierten Kompositionen von Kreisen, Winkeln, Streifen wurde er als Hauptvertreter des „Colourfield Painting“ gefeiert.

von
317324_0_03b7d406.jpg
Neue Mitte. Kenneth Nolands Gemälde „Sturz“ ( 1958/59). Foto: picture-alliance/KPAKPA

In den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg träumte die Malerei von Reinheit und Größe. Die Formate wuchsen ins Gigantische und die Farbe emanzipierte sich endgültig vom Medium zum eigentlichen Thema der Kunst. Es war die Ära, in der Paris von New York als Welthauptstadt der Kunst abgelöst wurde und der Kritiker Robert Rosenblum in den Werken von Jackson Pollock und Mark Rothko das „abstrakte Sublime“ entdeckte, eine quasi-religiöse Erhabenheit, die ganz nebenbei von der Überlegenheit des freien Westens kündete.

Damals begann der Stern von Kenneth Noland aufzugehen, der mit seinen streng um das Bildzentrum herum organisierten Kompositionen von Kreisen, Winkeln, Streifen als Hauptvertreter des „Colourfield Painting“ gefeiert wurde, einer neuen Farbfeldmalerei. Noland, 1924 geboren, war nach seinem Militärdienst in der Luftwaffe ab 1946 am legendären Black Mountain College in North Carolina mit den Ideen der europäischen Vorkriegsavantgarde in Berührung gekommen. Die Schule folgte dem Vorbild des Bauhauses, vom aus Deutschland emigrierten Meister Josef Albers lernte Noland, sich in der Welt der Gegenstandslosigkeit zu versenken. Nach seinem Abschluss und einem Studienaufenthalt in Paris ließ er sich in Washington nieder, wo er an einer katholischen Universität Kunst unterrichtete und sich mit dem zwölf Jahre älteren Maler Morris Louis anfreundete.

Noland und Morris arbeiteten mitunter gleichzeitig an einem Bild, gemeinsam entwickelten sie eine „staining“-Technik, bei der die Acrylfarbe indirekt auf die Leinwand aufgebracht wird. Damit war die Abstraktion an einem Endpunkt angelangt: Alle Spuren des Pinsels sind ausgelöscht, der Künstler verschwindet hinter seinem Werk. Mit kantig nebeneinander gesetzten Streifen trieb Noland seine Kunst zur „hard-edged“-Malerei voran. „Ich bin besessen von der Idee des Übens“, lautete sein Credo. „Kunst ist Übung, ein Training der Sinne.“ 1977 ehrte ihn das New Yorker Guggenheim-Museum mit einer Retrospektive, doch im Popart-Zeitalter wirkte sein Purismus überholt. Am Dienstag ist Kenneth Noland mit 85 Jahren in seinem Haus in Maine gestorben. Christian Schröder

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben