Nachruf : Maria Hellwig: Jodel-Callas und Königin der Volksmusik

Das Hellwig-Prinzip lautete: Positiv denken, dann wird’s der Herrgott schon richten. Ein Nachruf auf Maria Hellwig. Die Volksmusikerin ist im Alter von 90 Jahren gestorben.

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Maria Hellwig (1920 - 2010)
Maria Hellwig (1920 - 2010)Foto: dapd

Nirgendwo ist das Familienglück größer als in der Welt der volkstümlichen Musik. Hier streiten die Generationen nicht miteinander, sie singen stattdessen gemeinsam. Die Schunkelbranche ist bevölkert von musizierenden Geschwistern, Eheleuten und Familienverbänden, doch niemand verkörperte jahrzehntelang so perfekt die Harmonie wie ein Mutter-Tochter-Duo: Maria und Margot Hellwig. Seit 1963 waren die Sängerinnen aus dem oberbayrischem Reit im Winkl gemeinsam unterwegs durch die Mehrzweckhallen und Fernsehstudios. Ihr größter Hit war ein deutsch-österreichischschweizerischer Schlachtruf, der die Kopf-Hoch-Botschaft bündig zusammenfasst: „Servus, Grüezi und Hallo/Gute Laune sowieso/ Denn Musik macht alle froh.“ Stets traten die Hellwigs in perfekt aufeinander abgestimmten Dirndln auf, ihre blondierten Dauerwellen waren legendär. In der Nacht zu Samstag ist Maria Hellwig, die Mutter, nach langer Krankheit im Krankenhaus von Ruhpolding gestorben. Sie wurde 90 Jahre alt.

Die als „Königin der Volksmusik“ und „Jodel-Callas“ gefeierte Tochter eines Elektromeisters hatte schon mit fünf Jahren auf einer Bauerntheater-Bühne gestanden. Sie machte eine Lehre als Verkäuferin, gründete nach dem Krieg mit ihrem zweiten Ehemann eine Wanderbühne und wurde von der Hamburger Volksoper für die Operette „Das Land des Lächelns“ besetzt. Die Sängerin mit dem rollenden „R“ trat in der Volksbühne „Platzl“ des Münchner „Jodelkönigs“ Franzl Lang auf und nahm 1957 ihre erste Schallplatte auf. Doch zur goldenen Geschäftsidee sollte erst die Gründung des Duos mit der einzigen Tochter werden, die 1941 zur Welt gekommen war. Den Durchbruch schafften Maria und Margot Hellwig 1973 mit der ZDF-Sendung „Musik macht Laune“, die ein Millionenpublikum erreichte und der weitere Shows wie „die Musik kommt“ oder „Die Fahrt ins Blaue“ folgten.

Maria Hellwig war im Krieg bei einem Bombenangriff verschüttet worden, sie verlor zwei Ehemänner, überstand zwei Fehlgeburten und zwei Infarkte. Das alles kam in ihrer Musik nicht vor. Das „Hellwig-Prinzip“ lautete: „Positiv denken, dann wird’s der Herrgott schon richten.“ Zehn Millionen Tonträger haben Mutter und Tochter mit dieser Devise verkauft, ihr 1964 in Reit im Winkl eröffnetes Gasthaus „Zum Kuhstall“ war stets gut besucht. „Maria Hellwig hat uns verlassen, aber ihre Lieder bleiben“, heißt es auf ihrer Webseite.

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