Nachruf : Mario Benedetti: Ein ewiger Exilant

Der uruguayische Dichter Mario Benedetti ist tot. Sein letzter Wille: "Wenn ich beerdigt werde, soll man meinen Kugelschreiber bitte nicht vergessen."

Roman Rhode

Er war zeitlebens zur Rastlosigkeit getrieben. Mario Benedetti, vor 88 Jahren in Uruguay geboren, übersiedelte mit vier Jahren in die Hauptstadt Montevideo, lebte als 18-Jähriger drei Jahre in Buenos Aires, später ein Jahr in Paris, und flüchtete 1973 vor der uruguayischen Militärdiktatur ins Exil. Das sollte 12 Jahre andauern. Und führte ihn nach Peru, Argentinien, Kuba, schließlich nach Spanien, wo er bis zuletzt einen Teil des Jahres verbrachte. In Uruguay wurde Benedetti nicht nur als kritischer Journalist und Schriftsteller verfolgt, sondern vor allem als Mitbegründer und Anführer der Linkskoalition Frente Amplio, eines breiten Bündnisses gegen die Militärjunta.

Als er 1985 nach Uruguay zurückkehrte, war er von den inneren Narben seines Exils gezeichnet – und bezeichnete sich selber als tragischen „desexiliado“. Obwohl Benedetti große internationale Literaturpreise versagt geblieben sind, ist er als Autor dennoch erfolgreich gewesen. Mehr als 80 Werke hat er veröffentlicht, darunter den 1960 erschienenen Roman „Die Gnadenfrist“, der in über 100 Auflagen erschien und in 19 Sprachen übersetzt wurde. Der Protagonist dieses Romans, Martín Santomé, leitender Angestellter in den Fünfzigern und einer Midlife-Crisis, wartet auf seinen Ruhestand – als ihm plötzlich das Liebesglück mit einer jungen Kollegin zuteil wird, die allerdings schnell verstirbt. Die Liebe, das Verrinnen der Zeit, der Tod – das sind die zentralen Themen im literarischen Schaffen Benedettis.

Hatte er in „Die Gnadenfrist“ noch eine Form minutiöser, sparsamer Tagebuchaufzeichnungen gewählt, so war Benedetti mit anderen literarischen Genres ebenso vertraut. Seine Vorliebe aber galt der Lyrik. „Die Lyrik“, befand er, „ist das Genre, in dem ein Schriftsteller am meisten von seinem eigenen Leben preisgibt.“ Kein Wunder also, dass Benedetti mit seinem letzten Werk „Testigo de uno mismo“ („Selbstzeuge“) eine Sammlung von Gedichten vorgelegt hat. Darin beschreibt er seine Einsamkeit im hohen Alter, die er durch den Verlust seiner geliebten Frau Luz und den Abschied von 60 Jahren Ehe als sehr schmerzhaft erlebt. Am Samstag ist Benedetti nun selbst in Montevideo gestorben. Sein letzter Wille: „Wenn ich beerdigt werde, soll man meinen Kugelschreiber bitte nicht vergessen.“ 

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