Nachruf : Zauberklang

Er leitete und formte den Rias-Kammerchor und den Philharmonischen Chor. Zum Tod des Chorleiters Uwe Gronostay

Sybill Mahlke

Sein Zeichen war der homogene, der klare Klang. Zwei Chöre hat Uwe Gronostay in Berlin geleitet und geprägt, von 1972 bis 1986 den Rias-Kammerchor und von 1982 bis 2002 den Philharmonischen Chor. Er verfügte über die fabulöse Kraft, beide Ensembles, den professionellen wie den 1882 gegründeten Chor aus Laien, nach seinem Ideal einer transparenten, reinen Intonation zu formen. Harte Überzeugungsarbeit gehörte dazu, obwohl beide Ensembles schon einen etablierten Ruf hatten. Die Rias-Sänger übernahm Gronostay von Günther Arndt, einem jovialeren Chef mit großer Pionierleistung, den Amateurchor von Hans Chemin-Petit, der seine scharfgeschnittenen Dirigiergesten der Sängerschar 40 Jahre lang aufgedrückt hatte.

Bei Gronostay zeigte sich, dass man mit sehr großen Chören ebenso Präzision und Feinheit erreichen kann wie mit kleinen. So wurden Dezennien Berliner Musikgeschichte von diesem Dirigenten mitbestimmt.

Geboren am 25. Oktober 1939 in Hildesheim, beginnt er seine künstlerische Laufbahn in Bremen als Kantor. Sein Vorbild ist Ericsons Schwedischer Rundfunkchor. Unermesslich scheint Gronostays Schaffen, da es Unterricht als Professor für Chorgesang in Frankfurt und Berlin einschließt sowie Gastdirigate auf dem weiten Feld internationaler Berufschöre.

Er stellt die Weichen des Rias-Kammerchors hin zur historischen Aufführungspraxis. In kurzer Zeit singt er mit ihm „ein neues Lied“: Differenzierung im Sinn durchhörbarer Struktur. Singt aber auch Ernst Krenek unter den wachsamen Ohren des Komponisten und das Requiem von Reimann. Einmal wechselt er das Pult mit Karajan, um dessen Bruckner mit „Jesu meine Freude“ einzuläuten. Sechzehntelvirtuosität überall bei Bach.

Donner und Blitz zündeten auch in Gronostays Matthäuspassion mit dem Philharmonischen Chor. Das Brahms-Requiem zum Abschied reflektierte seine Erfahrung mit Chören aller Spezies. Am 29. November ist Uwe Gronostay in Berlin gestorben. Sybill Mahlke

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