Nachruf : Zum Tod des Regisseurs Franz Marischka

Mit Filmen wie "Liebesgrüße aus der Lederhose" ist die Filmografie von Franz Marischka innerhalb der Familie die unseriöseste – und somit die interessanteste.

Frank Noack

Selbst die Verteidiger des westdeutschen und österreichischen Unterhaltungsfilms dürften ins Grübeln geraten, wenn sie auf Franz Marischka angesprochen werden. Hat der nicht die „Sissi“-Trilogie gedreht? Nein, das war Ernst Marischka, Franz’ Onkel. Hat er nicht bei ein paar gehobenen Unterhaltungsfilmen mit O. W. Fischer zusammengearbeitet? Nein, das war Georg Marischka, sein Halbbruder. Und der Lieblingsregisseur von Hans Moser hieß Hubert Marischka, das war sein Vater. Alle Marischkas haben bei Erfolgsfilmen Regie geführt, ohne selbst Erfolgsregisseure zu werden. Niemand ging ihretwegen ins Kino. Beliebt waren sie lediglich bei Stars und Produzenten, weil sie ihnen keinen Ärger bereiteten. Weil sie keine eigenen Visionen besaßen, kam es auch nicht zu künstlerischen Differenzen.

Die Filmografie von Franz Marischka ist innerhalb dieser Familie die unseriöseste – und somit die interessanteste. Obwohl seine Regiekarriere mit harmlosen Heimat- und Schlagerfilmen begann („Am Sonntag will mein Süßer mit mir segeln gehn“, 1961), widmete er sich ab 1969 dem Sexfilm. Die Titel sprechen für sich: „Der Mann mit dem goldenen Pinsel“, „Abarten der körperlichen Liebe“, „Lass jucken, Kumpel“, „Liebesgrüße aus der Lederhose“, „Zwei Kumpel auf der Alm“. Seine 2001 erschienene Autobiografie nannte Marischka „Immer nur lächeln“; eine Erinnerung daran, dass Franz Léhar sein Taufpate gewesen ist. Die früh verstorbene Mutter war Opernsängerin – und Jüdin. Ihretwegen musste der Absolvent des Max-Reinhardt-Seminars 1938 emigrieren, doch diese Erfahrung hat er in keinem seiner Filme verarbeitet. Franz Marischka lebte ganz für die Unterhaltung. Eine Neubewertung haben seine „Kumpel“-Filme verdient, mit Rinaldo Talamonti in der Rolle des triebgesteuerten Gastarbeiters.

Am 18. Februar ist Franz Marischka 90-jährig in München einem Krebsleiden erlegen. Frank Noack

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