Kultur : Nachtmenschen

KERSTIN DECKER

Zu Roggelin, mitten in Brandenburg, liegt der Ritter Kuhlbanz in seinem Sarge und verwest nicht.Dreihundert Jahre liegt er schon da, nur Haut und Knochen, wie man so sagt.Er soll einst den armen Schäfer Dühn erschlagen haben.Jeden Tag um Mitternacht steigt er aus seinem Grab und geht, wie andere alte Leute ja auch, ein bißchen spazieren.Das fällt normalerweise überhaupt nicht auf.Wenn Maja aus Berlin nicht gerade eine Wette abgeschlossen hätte.Sie muß um Mitternacht dreimal "Du blöde Mumie!" rufen - oder sie wird von Torsten aus Roggelin geküßt.Nee, denkt Maja, dann doch lieber die Mumie! Und da steht sie auch schon vor ihr - als ein schöner Junker vom Lande.

Und wie die Totenhände über die Grabplatten kraspeln! Sie steigen nicht aus den Gräbern, weil sie kleine Kinder erschrecken wollen, sondern weil sie eine moralische Verpflichtung fühlen.Sie müssen nämlich noch einmal Gericht halten über den unverweslichen Junker Kuhlbanz.Ein Schattengericht.Und Maja aus Berlin hat es gerufen!

Da Kinderfilme eine sehr ernste, wichtige Sache sind, spielen, wie schon früher in der DDR, auch sehr wichtige, sonst überwiegend ernste Schauspieler mit, Kurt Böwe als Mumienaufpasser etwa, Jaecki Schwarz als englischer Raublord oder Gudrun Ritter als die alte Hanne.Günter Meyers ursprünglich für den ORB produzierter Film ist altmodisch wie alle Geschichten mit einer richtigen Moral.Und so ist er auch erzählt.Mit viel Aufmerksamkeit für die wichtigen und weniger wichtigen Dinge, mit viel Zeit und gutem Ende.Man muß sich die Sache ungefähr vorstellen wie ein Sonntagnachmittagskaffeetrinken mit der ganzen Familie.Da ist ja auch alles ziemlich konventionell, aber gediegen.Auch spürt man so einen ganz leichten Überdruß und - mag es doch.Genau wie die Kinder am vergangenen Sonntag bei der Premiere.

Astra, Broadway, Cinemaxx Potsdamer Platz, Eiszeit, Filmtheater am Friedrichshain

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