Kultur : Nachtseiten

Die Salzburger Festspiele im Jahr eins nach Mozart

-

In einem Kraftakt ohnegleichen haben die Salzburger Festspiele in diesem Sommer alle 22 Musiktheaterwerke Mozarts auf die Bühne gebracht. Das ist – zumindest eventtechnisch – nicht zu toppen. Also hat sich der neue Intendant Jürgen Flimm für 2007 die Antithese vorgenommen: Unter dem Motto „Nachtseite der Vernunft“ wollen er und sein Direktionsteam mit neuem Theaterdirektor Thomas Oberender und dem ebenfalls neu berufenen Konzertdirektor Markus Hinterhäuser auf den Amadeus-Hype reagieren. „Alle Da-Ponte-Opern von Mozart enden mit dem Aufruf zu Vernunft, durch die alles besser werden soll. Aber die Vernunft versagt, schlimmer noch, sie führt zur Französischen Revolution, zu Köpferollen, zu Depression und Trostlosigkeit. Tschechow, Ibsen oder Strindberg haben aufgeschrieben, wie sich Mozarts Helden am Tag danach fühlen müssen. Das ist es, was wir 2007 zeigen wollen.“

Jan Fabre bereitet eine Uraufführung unter dem Titel „Requiem für eine Metamorphose“ für die Felsenreitschule vor, Christiane Pohle nimmt sich des dramatischen Erstlingswerks von Thomas Bernhard an. „Ein Fest für Boris“ entstand 1975 im Auftrag der Festspiele, wurde dann aber nicht aufgeführt. Luc Perceval präsentiert „Molière. Eine Passion“ als Koproduktion mit der Berliner Schaubühne, Barbara Frey inszeniert Heiner Müllers „Quartett“ mit Barbara Sukowa.

Als erste Opernpremiere gibt es am 28. Juli „Armida“ von Joseph Haydn – „weil wir wissen wollen, was vor Mozart war“, wie Flimm sagt. In der Felsenreitschule spielt das Mozarteum-Orchester unter Ivor Bolton, die Titelrolle singt Annette Dasch. Es folgt Tschaikowskys „Eugen Onegin“ in der Regie von Andrea Breth, dirigiert von Daniel Barenboim. Flimm will versuchen, den Maestro in den nächsten Jahren enger an die Festspiele zu binden. Falk Richter wurde für die Regie von Webers „Der Freischütz“ gewonnen (Dirigent: Markus Stenz). Mit der Verpflichtung von Philipp Stölzl für „Benvenuto Cellini“ geht Flimm bewusst ein Risiko ein: Bislang ist der renommierte Videoregisseur erst durch eine einzige Opernarbeit (in Meiningen) aufgefallen. Es dirigiert Valery Gergiev.

Die Buhlschaft in der „Jedermann“-Inszenierung von Christian Stückl wird diesmal Marie Bäumer spielen. 2008 will Jürgen Flimm dann die Eifersucht in den Mittelpunkt des Salzburger Festspielprogramms stellen. F. H.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben