Kultur : Nackte Gewalt

Zombies, Freaks und Geister bevölkern das Berliner Fantasy Filmfest – und zwei Serientäter, die am liebsten unbekleidet morden

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Ein Mann, ein Fjord. Mads Ousdal rettet in der Krimiklamotte „Norwegian Ninja“ sein Heimatland. Foto: Festival
Ein Mann, ein Fjord. Mads Ousdal rettet in der Krimiklamotte „Norwegian Ninja“ sein Heimatland. Foto: Festival

Norwegen ist seit Utoya ein allerseits hochsensibles Thema – nicht zuletzt seit Lars von Trier sich für seine Film „Dogville“ entschuldigt hat, nur weil Anders Breivik sich auf diesen Film berief. Nun wird am Donnerstag, im Rahmen des Berliner Fantasy Filmfests, das Kinodebüt von Thomas Cappelen Malling zu sehen sein: „Norwegian Ninja“, so der internationale Verleihtitel, spielt auf einer Insel vor Norwegen zur Zeit des Kalten Krieges, und scharf geschossen wird ebenfalls. Ist es taktlos, so etwas jetzt zu zeigen? Eher im Gegenteil. Der Hau-draufKlamauk lässt sich mit einer schönen Trotzhaltung genießen – als Weigerung, sich den Kulturkonsum von einem Massenmörder vorsortieren zu lassen.

Auf dem Fantasy Filmfest, das in Berlin zum 24. Mal über die Bühne geht, dominieren nach wie vor die Zombies und Geister. Wenn eine dreiköpfige Familie zu Beginn von „Don’t Be Afraid of the Dark“ ein finsteres Herrenhaus bezieht, dann weiß jeder im Publikum, was die neuen Mieter erwartet. Spannend ist das trotzdem, weil Regisseur Troy Nixey – unter Aufsicht des Genre-Spezialisten Guillermo Del Toro – auf psychologische Genauigkeit setzt.

Das zehnjährige Scheidungskind Sally (Bailee Madison) fühlt sich von allen im Stich gelassen: von der Mutter, die das Sorgerecht nur zu gern abgegeben hat, vom ohnehin überarbeiteten Vater und von dessen neuer Freundin Kim (Katie Holmes). Wenn Kim Sally verspricht, sie im Schlaf nicht allein zu lassen und, kaum ist das Mädchen eingeschlafen, sich aber heimlich davonmacht, dann ist das ein Verrat, den die Geister natürlich für sich ausnutzen.

Realismus im Rahmen einer fantastischen Situation ist auch die Stärke von „Perfect Sense“. Eine Seuche macht sich in Glasgow breit. Immer mehr Menschen verlieren ihren Geruchs- und Geschmackssinn. Der Koch Michael (Ewan McGregor) und seine Kollegen versüßen und versalzen nun übermütig ihre Gerichte, weil es ja ohnehin niemand mehr mitkriegt. Und wenn Michael mit seiner großen Liebe Susan (Eva Green) in der Badewanne sitzt, verschlingen beide gemeinsam ein Stück Seife. Regisseur David Mackenzie („Young Adam“, „Hallam Foe“) erschafft eine abgeschlossene Welt, in der sich Trauer und trotzige Lebensfreude die Waage halten. Das Motto: Der Verlust von Sinnesorganen kann auch ein Gewinn sein.

Absonderliche Liebesgeschichten erzählen auch Pascal Arnold und JeanMarc Barr in „American Translation“. Ein Serienmörderpaar mordet am liebsten nackt, schließlich muss man dann keine blutige Kleidung wechseln. Und in Lola Doillons Kammerspiel „Contre toi“ wird eine Ärztin (Kristin Scott Thomas) vom Witwer einer Patientin entführt. Deutschland ist mit zwei blutrünstigen Endzeit- und Zombiefilmen vertreten: Es sind Tim Fehlbaums „Hell“ (Kinostart: 22. September) und die Miniserie „Viva Berlin!“, die an fünf Abenden als Vorfilm zu sehen ist. Das soll so harte Kost sein, dass eine Fernsehausstrahlung nicht infrage kommt. Hoffentlich hält die Ankündigung, was sie verspricht.

Cinemaxx und Cinestar SonyCenter, bis 24. August. Mehr unter fantasyfilmfest.com

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