Kultur : Nah am Wasser Wie sich Berlin und Genua gleichen. Eine Studie

Jürgen Tietz

Hatte sich Berlin im Verlauf seiner städtebaulichen Entwicklung lange von seiner Wasserfront weggedreht, so pflegt die Stadt inzwischen eine ganz besondere Beziehung zu ihren Ufern. Da geht es ihr nicht anders als Genua. Dort schob sich der Hafen wie ein trennendes Band zwischen Altstadt und Mittelmeer. Doch seit rund 15 Jahren wird das Hafenareal auf Basis von Renzo Pianos Planung erfolgreich zum Stadtraum umgewandelt. Diese immer weiter greifende Öffnung zum Wasser bietet erhebliche städtebauliche Entwicklungspotenziale. Das fließt auch in eine Untersuchung von Klaus Theo Brenner und von Studenten der FH Potsdam ein, die die städtebaulichen Konzepte beider Städte verglichen haben: Beherrschen in Genua seit dem 16. Jahrhundert Solitärbauten das Straßenraster, so hat sich in Berlin im 19. Jahrhundert die Blockfront durchgesetzt. Auf Basis dieser Typologien entwickelten die Potsdamer unterschiedliche Konzepte für Straßenbilder mit Blockbauten und Solitären (Berlin-Genova, Jovis Verlag 2005, 22 €). Ziel ist es, ein Instrumentarium für städtische Strukturen zu gewinnen, das an unterschiedlichen Orten eingesetzt werden kann. So mäandert der Geist der viel beschworenen „europäischen Stadt“ in wechselndem Gewand zwischen Italien und Deutschland. Welches Urteil die Genueser über die Potsdamer Entwürfe fällen, wird sich im nächsten Jahr erweisen: Dann sollen sie in Genua ausgestellt werden.

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