Kultur : Nahost-Konflikt und Wahlen in Israel: Der Tempelberg, umkämpftes Heiligtum

Die Juden nennen ihn Tempelberg, die Muslime Haram Ash-Sharif. Beide Religionen verehren diesen Ort als einen ihrer heiligsten Stätten. Nach einer jüdischen Überlieferung heißt es: Als Gott die Welt schuf, schien das Licht zuerst über den Tempelberg. An der Stelle ließ Salomon, der Sohn König Davids, 960 vor Christus einen Tempel bauen. Nach der Zerstörung durch den babylonischen Herrscher Nebukadnezar wurde ein zweiter Tempel errichtet, der unter König Herodes 20 vor Christus umfangreich erweitert wurde. Römische Truppen legten ihn 90 Jahre später in Schutt und Asche. Übrig blieb die westliche Stützmauer des Tempelbergs - die heutige Klagemauer, das zentrale Heiligtum der Juden.

Für die Moslems ist der Tempelberg das drittwichtigste Heiligtum: Hier steht der Felsendom (Qubbet As-Sakra) mit seiner goldenen Kuppel, den Kalif Abdel Malik um 690 erbauen ließ. Am südlichen Rand des Platzes steht die El-Aksa-Moschee.

Wiederholt entzündeten sich am Tempelberg blutige Auseinandersetzungen. 1990 erschossen israelische Soldaten auf dem Platz vor der El-Aksa-Moschee 21 Palästinenser. Als im September 1996 unterhalb des Tempelberges ein Tunnel geöffnet werden sollte, sahen die Palästinenser dies als Angriff auf ihr Heiligtum. Bei tagelangen Unruhen im Westjordanland und im Gazastreifen kamen damals mehr als 80 Menschen ums Leben. Ende September besuchte der Chef der rechten Opposition in Israel, Ariel Scharon, den Tempelberg und löste damit die jüngsten Auseinandersetzungen zwischen Israelis und Palästinensern aus, bei denen seither über 330 Menschen, zum größten Teil Palästinenser, getötet wurden.

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