Kultur : Namen für einen Nachfolger will er aber noch nicht nennen

Bernhard Schulz

Milden Glanz ließ Christoph Stölzl auf die zwölf Jahre seiner Amtszeit als Generaldirektor des Deutschen Historischen Museums (DHM) fallen. Seine gestrige Bilanz-Pressekonferenz im Berliner Kronprinzenpalais - das Zeughaus auf der anderen Straßenseite wird derzeit ungebaut - machte deutlich, dass der künftige Feuilletonchef der "Welt" mit dem Kapitel Museumstätigkeit abgeschlossen hat. Ihm hat er die vergangenen zwanzig Jahre seines Berufslebens gewidmet, zunächst als Leiter des Münchner Stadtmuseums und dann, von dessen Gründung an im Herbst 1987, als Direktor des DHM. Mit innerem Abstand konnte Stölzl die überwundenen Schwierigkeiten der Vergangenheit gelassen ansprechen - die Skepsis, die die Museumsgründung begleitete, und die Unsicherheit, als der Fall der Mauer das weit gediehene Neubauvorhaben im Spreebogen über Nacht erledigte. Mit dem DHM sei ein "europäisch konkurrenzfähiges Sammlungsmuseum entstanden", betonte er, den Stolz auf die Aufbauleistung mehrfach variierend. Mit seinem Weggang lasse er das Haus nicht im Stich, er habe seine Versprechen erfüllt: Das DHM sei partei-und regierungsunabhängig, es sei eine Sammlung aufgebaut worden, die europäische Dimension sei von Anfang an konsequent in die Geschichtsdarstellung einbezogen worden. Zudem ist es gelungen, den 1990 "verschwundenen" Neubau in Gestalt des Zeughaus-Anbaus von I. M. Pei doch noch zu realisieren.

Kleine Spitzen ließ der Generaldirektor bei seinem (beinahe) letzten Auftritt in dieser Funktion nur gelegentlich aufblitzen. So in der kopfschüttelnden Erinnerung an den Widerstand, der der Museums-Idee entgegegengeschlagen war und den er als "riesigen Aufwand an vertaner Lebenszeit" bemitleidete." Oder im Rückblick auf die Kollegen Museumsleiter, die 1984 nichts als Fotokopien für eine Museumssammlung voraussagen mochten. Beide Anwürfe hat Stölzl in Laufe der Jahre glanzvoll widerlegt. Als "Niederlage" seiner Amtzeit wollte er nur einen Vorgang bezeichnen: dass es nicht gelungen sei, mit dem Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg zu einer Kooperation zu kommen.

Und der Nachfolger im Amt? Er werde "einen Teufel tun" und Namen nennen. Aber Stölzl legte die Messlatte hoch. Der Aufsichtsrat des DHM müsse auf die "Rundumkompetenz" der Bewerber achten. "Nur jemand, der sich auf den vielen, vielen gebieten stark genug fühlt stand zu halten", solle sich bewerben. Er erwarte die Meldungen der "großen Profis von in- und außerhalb des Museums" - eine Hausberufung ist also nicht ausgeschlossen. Zum Schluss nochmals der stille Triumph: Im Januar 1984 habe er im Reichstag gesagt, man solle ein neuzugründendes Museum "nur recht groß machen" - und ruft nun mit einer Handbewegung in Richtung Zeughaus aus: "Voilà, da drüben steht es."

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