Kultur : Napster: "Wenn eine Lücke geschlossen wird tut sich eine neue auf"

Mit der Allianz Bertelsmann-Napster soll das anarc

Hans-Herwig Geyer ist Sprecher der Gema. Der Verein vertritt die Urheberrechte von 55 000 Textern, Verlegern und Komponisten.

Mit der Allianz Bertelsmann-Napster soll das anarchische Treiben beim Herunterladen von Musik aus dem Internet beendet werden. Ein Sieg für die Urheberrechte?

Ja. Wir begrüßen es, wenn die Beteiligten im Internet sich gemeinsam bemühen, die Urheberrechte durchzusetzen. Wenn geistiges Eigentum öffentlich zur Verfügung gestellt wird - egal, ob in einem Konzertsaal oder im Internet -, dann muss dafür dem Urheber ein angemessener Lohn bezahlt werden. Wenn jetzt Internet-Anbieter, phonografische Industrie und Urheber an einen Tisch kommen, ist das zu begrüßen.

Welche Probleme hat Ihnen das Datentauschnetz Napster bisher beschert?

Anbieter wie Napster sind für uns Musikpiraten, die geistiges Eigentum im Netz zur Verfügung stellen, ohne dass der Urheber dafür eine angemessene Entschädigung bekommt. Hier gibt es eine weltweite Piraterie, die neue Distributionsformen nutzt, ohne die berechtigten Ansprüche der Urheber zu sehen und für Lizenzen zu zahlen.

Wie hoch ist die Beute dieser Piraten?

Wir schätzen, das es alleine für deutsche Autoren jährlich Schäden in Millionenhöhe gibt.

Ist mit der Legalisierung von "Napster" den Piraten jetzt das Handwerk gelegt?

Ich glaube nicht, dass das der Piraterie sofort ein Ende bereitet. Wir haben ja nicht nur "Napster" als Anbieter, sondern auch viele semi-professionelle und amateurhafte Anbieter, die einfach auf ihrer privaten Homepage Musik einstellen und oft gar nicht wissen, dass diese Lizenzpflichtig wäre. Und es ist leider einfach so: Wenn eine Schutzlücke geschlossen wird, dann tun sich immer wieder neue auf. Da ist einfach eine gewisse kriminelle Energie vorhanden.

War das Internet in Sachen Urheberrecht bisher ein rechtsfreier Raum?

Nein, das stimmt nicht. Vor allem in den großen Wirtschaftsräumen Europa und USA haben wir Rechtssicherheit, die besagt, wann immer geistiges Eigentum mittels der neuen digitalen Möglichkeiten zur Verfügung gestellt wird, dann ist das genehmigungs- und vergütungspflichtig. Aber wir haben einfach ein transnationales Kontrollproblem. Die Musik wird über die Ländergrenzen hinweg genutzt - und da ist es schwierig, das geltende Recht durchzusetzen.

Spüren Sie durch das Anwachsen von Tauschnetzen im Internet einen Rückgang des herkömmlichen Absatzes von CDs?

Es gibt Vermutungen, dass hier Substitutierungen stattfinden. Das trifft für Teilbereiche sicher zu. Aber in anderen Bereichen ist es möglich, dass der herkömmliche Absatz von Musik durch die Verbreitung im Internet eher ergänzt, beworben und gefördert wird. Solche Effekte lassen sich feststellen.

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