Kultur : Nashorn trifft Nazis

First Steps Award: 26 Filme nominiert.

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Andres Veiel war beeindruckt: „Was für eine vitale Filmkultur da am Wachsen ist!“ Der Film- und Theaterregisseur („Black Box BRD“, „Wer, wenn nicht wir“) ist einer der sogenannten Paten, die die Deutsche Filmakademie den Sektionen des Nachwuchsfilmpreises First Steps zugewiesen hat. Zwar bezog sich sein Satz „nur“ auf die Dokumentarfilme, aber er gilt wohl auch für die übrigen Kategorien, die kurzen und mittellangen Spielfilme und die Werbefilme.

Aus 195 Produktionen wählten drei Jurys 26 Filme für den 14. First Steps Award aus. Und die bei der Nominierungsgala im Charlottenburger Filmkunst 66 vorgestellten Filme verwiesen in der Tat auf ein bemerkenswert diverses Schaffen von Hochschulabsolventen in Deutschland, Österreich und der Schweiz. „Die Filme laufen keinem Trend hinterher, sondern finden ihre eigene Form“, stellte auch die Schauspielerin Aylin Tezel fest, die die nominierten Kurzfilme vorstellte.

Die Sektionsparten gibt es seit 2012. Sie sollen Aufmerksamkeit schaffen für herausragende Filme, die ohne große Namen und meist mit kleinem Budget leicht übersehen werden. Kurzfilme sind oft nur auf Festivals zu sehen, und die mittellangen, die Dreißig- bis Sechzigminüter, kommen selbst dort kaum unter. Von den aktuell nominierten Produktionen ist nur „Fünf Jahre Leben“, Stefan Schallers Verfilmung von Murat Kurnaz’ Buch über seine Haftzeit in Guantanamo, bislang im Kino angelaufen. Die eindrucksvolle Dokumentation „Metamorphosen“ über eine radioaktiv verstrahlte Gegend im Südural war im Februar auf der Berlinale zu sehen.

Darüber hinaus gibt es viel zu entdecken, von dem ideensprühenden Kurzfilm „Nashorn im Galopp“, der einen neuen Blick auf bekannte Berliner Anblicke wirft, über den Essayfilm „Majubs Reise“ über einen afrikanischen Schauspieler im Nazi-Deutschland bis zum starbesetzten Episodenfilm „Finsterworld“, dessen Drehbuch die Regisseurin Frauke Finsterwalder gemeinsam mit ihrem Mann Christian Kracht schrieb.

Die mit insgesamt 82 000 Euro dotierten Preise werden am 16. September im Theater am Potsdamer Platz verliehen. Am 18. September wird eine Auswahl der Sieger im Filmtheater am Friedrichshain gezeigt. Dank First Steps findet sicherlich der eine oder andere Film noch seinen Weg ins Kino oder Fernsehen. Andres Veiel jedenfalls nutzte die Gelegenheit, einen flammenden Appell an die Sendeanstalten zu richten: „Es gibt eine gesellschaftliche Notwendigkeit für diese Filme!“ David Assmann

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