Kultur : Nasses Fell

Videos von Aïda Ruilova

Birgit Rieger

In dem riesigen Ausstellungsraum der Galerie Guido W. Baudach ist ein weißer Vorführwürfel aufgebaut, den außen heitere Fotos zieren, während innen ein höchst mysteriöser Film läuft. Das Video „two-timers“ der US-amerikanischen Künstlerin Aïda Ruilova trifft einen irgendwo zwischen Magengrube und Gehirn. Eine Frau tanzt im Wasser mit einer Ratte, nein, sie tanzt nicht, sie kommuniziert, sie fängt das Tier, hält es dicht vor ihren Kopf, lässt es wieder los. Im Hintergrund erzählt ein weibliches Ich von einer Begegnung zwischen drei Menschen, während es auf einer weiteren Tonspur unheilvoll brummt. Mal sieht man nur den Kopf der Frau, der sich hell vor dem schwarzen Wasser abhebt. Dann die Ratte, wie sie mit nassem Fell strampelt. Text und Bild sind kaum zu deuten, die Rollenverteilung bleibt unklar. Die sich im Kreis drehende Schöne könnte das Biest sein, die Ratte die Gepeinigte.

Diese sinistre, an Horror und Gothic geschulte Ästhetik findet sich bereits in Ruilovas früheren Arbeiten, die zu den vielversprechenden Newcomern der Videokunst zählt. In ihren schnell geschnittenen, rhythmischen Clips werden Ausrufe wie „oh no“ oder „alright“ zum hypnotischen Mantra. Wie ein Ohrwurm für die Augen, den man nicht wegblinzeln kann. Bei Baudach sind neue Arbeiten der Künstlerin zu sehen. Sie sind viel langsamer und ruhiger als das, was man von Ruilova kennt. Aber wieder dreht sich alles um die Graustufen zwischen Subjekt und Objekt. Auch in den 26 Fotoreliefs, die Ruilova fotografiert hat. Dinge und Menschen formen die Buchstaben des Alphabets, dabei springen die Protagonisten in der Wahrnehmung des Betrachters von einem Zustand in den anderen, sind zugleich Ding und Körper, Bild und Laut.Birgit Rieger

Galerie Guido W. Baudach, Oudenarder Str. 16–20; bis 14.7. Di.–Sa. 12–18 Uhr.

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