Nationalgalerie : Italiens Himmel

Berlins Nationalgalerie erhält vier Werke zurück, darunter ein Hauptwerk von Carl Blechen. 2007 war das Bild im Münchner Kunsthandel wieder aufgetaucht.

Christina Tilmann

Die violetten Schatten auf dem Weg haben schon Hugo von Tschudi und Ludwig Justi begeistert. Carl Blechens „Weg nach Castel Gandolfo“ von 1830 galt als ein Highlight der Berliner Nationalgalerie, die einst die bedeutendste Blechen-Sammlung der Welt besaß. Im Zweiten Weltkrieg war das Bild in den Flakbunker am Zoo ausgelagert, von wo es 1945 verschwand. In der 2001 erschienenen Dokumentation der Verluste, die allein für die Nationalgalerie rund 850 Bilder aufführt, ist notiert: „Ein 1999 in französischem Privatbesitz nachweisbares Bild ist entweder mit diesem oder dem folgenden (einer Zweitfassung) identisch.“

Nun steht das Castel-Gandolfo-Bild mit seinem duftig-italienischen Himmel und dem weiß in den Bergen leuchtenden Kloster wieder im Obergeschoss der Alten Nationalgalerie auf einer Staffelei, und dank jüngster Restaurierung leuchten auch die violetten Schatten, die den Gebirgspfad mit den beiden Mönchen decken, wieder in alter Frische. 2007 war das Bild im Münchner Kunsthandel wieder aufgetaucht, nach erfolgreichen Verhandlungen kehrte es – ebenso wie drei weitere verschollen geglaubte Werke – nun wieder an den alten Ort zurück.

Dass Kriegsverluste wieder auftauchen, ist gar nicht so selten. Es fehlt einfach auch zu viel: bis zu einem Drittel der Berliner Museumsschätze verschwand in den Wirren der letzten Kriegstage, als sowjetische oder amerikanische Beutekunst, aber oft auch schlicht als Diebesgut, das Privatleute im allgemeinen Chaos mitgehen ließen. Welche verschlungenen Wege solche Bilder gehen, ehe sie wieder auf dem Markt auftauchen, ist oft nicht mehr nachzuvollziehen – die Stiftung Preußischer Kulturbesitz, die in solchen Fällen, wenn es gut läuft, für die Rückgabe dem Vorbesitzer einen Finderlohn von zehn Prozent des Marktwertes zahlt, sichert den Einlieferern dafür Anonymität zu.

Immerhin, das betonten bei der feierlichen Vorstellung in der Alten Nationalgalerie sowohl Stiftungspräsident Hermann Parzinger als auch Michael Eissenhauer, der Generaldirektor der Staatlichen Museen, sind solche Funde immer häufiger möglich. Weil die Berliner Museen, die erst nach 1990 ihre bis dahin geteilten Bestände abgleichen und genaue Verlustanalysen machen konnten, diese Verluste – wie auch den Fremdbesitz, der sich noch in Museumsdepots befindet – seit Anfang der Neunziger systematisch veröffentlicht haben. Weil inzwischen auch bei den Besitzern ein Generationswechsel stattgefunden hat, der dafür sorgt, dass die Bilder überhaupt wieder auf dem Markt auftauchen. Und weil Händler und Auktionshäuser inzwischen meist nach einem Ehrenkodex solche Einlieferungen mit den einschlägigen digitalen Datenbanken wie dem Art Loss Register abgleichen, das auch in den Nationalgalerie-Fällen bei der Aufklärung half.

Das ist, bei all den schwierigen Diskussionen um Restitutionen und Raubkunst, doch auch einmal eine richtig gute Nachricht.

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