Kultur : Nationalsozial

NORBERT TEFELSKI

"Wir Kellerkinder" von Neuss als Ein-Personen-Stück in BerlinVON NORBERT TEFELSKIDidi Jünemann ist Macke Prinz, der während des Krieges in einem Berliner Keller den Kommunisten Kösel vor den Nazis und nach dem Krieg seinen Vater vor der Entnazifizierung versteckt.Als Belohnung bezieht er Prügel von beiden Seiten sowie einen Platz in der Klapsmühle."Wir Kellerkinder", die Lesegeschichte zum Kinostück, von Wolfgang Neuss 1960 aufgeschrieben, dient dem Kölner Schauspielerkabarettisten George Isherwood als Text für einen szenischen Monolog.In den Nischen des idealen Kellerspielortes stecken Requisiten, mit denen der 46jährige Pimpf den verrückten Lauf der Dinge illustriert: Ein Baby mit Blumenkohlkopf, als erwachsene Anspielpartner Zigarre oder Kohlensack.Natürlich, wem könnte Supersatiriker Neuss aus dem Kopf gehen, wenn Jünemann - von ähnlich gedrungener Gestalt, hinterhältig nett - dessen Formulierungen auf leicht rheinländischer Zunge trägt.Dabei switcht er überdies durch all jene Rollen, die im Film mit dem legendären Nachkriegskabarettisten besetzt waren.Eine riskante Aufgabe, respektabel gelöst.Wenn das Kammer- bzw.Kellerspiel zur zeitlosen Botschaft in Sachen Opportunismus gelangt, bietet es den Kick ins Nachvollziehbare und dem Mimen besondere Gelegenheit zu Kabinettstückchen.Das alte, neue Ego-Spiel setzt sich unter Ost-West-Berliner Vorzeichen fort, und Mackes entlassener Irrenanstaltskollege Adalbert kriegt wieder einen Anfall von Hitleritis.Schnarrend erklärt er die anwesenden DDR-Funktionäre mit Nazi-Vergangenheit zu "Internationalsozialisten" - wer möchte, kann den Faden weiterspinnen. Freies Schauspiel, bis 23.März, 20 Uhr.

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