Kultur : Natürliche Nähe

FOTOGRAFIE

Michael Nungesser

Die Welt mit neuen Augen sehen ist der gemeinsame Nenner im Werk von Elias Hassos und Salla Tykkä. Die Kunststipendiaten der DZ Bank für Künstlerische Fotografie und Videokunst sind auch verbunden durch die Motive (Natur und Mensch), die Nähe zu Monochromie und Kargheit, zum Selektiven und Metaphorischen. Die Ergebnisse sind dennoch unterschiedlich und ihre gemeinsame Präsentation im Künstlerhaus Bethanien spannungsreich (Mariannenplatz 2, bis 10.8., Mi-So 14-19 Uhr, Kataloge 20 € und 12 €).

Hassos Farbfotografien hängen ungerahmt an der Wand. Die Motive des Münchners stehen einzeln für sich, meist vor neutralem Hintergrund: ein Schaf auf der Wiese, ein Seilknäuel im Buschwerk, ein Hochstand im Schnee, eine Wolke am Himmel, eine Metalltür in der Wand. Ganz nahe treten die Dinge heran in einer luziden Atmosphäre der Vertraulichkeit: Gewachsenes und Gemachtes, Kleines und Kosmisches. Andersartig wirken sie, geheimnisvoll, nicht als Teil einer Geschichte, sondern herausgehoben.

Tykkäs Fotoserie „Distance“ wechselt die Perspektive. Nicht die Dinge schauen uns an, sondern wir in sie hinein. „Distance“ besteht aus großen Schwarzweißfotos, zu Diptychen vereint. Natur wird zum Spiegelbild, zum beklemmenden Seelenraum. Auch in ihrem Video „Cave“ geht die finnische Künstlerin auf eine Reise ins Innere. Eine Frau rennt durch einen verschneiten Wald in eine Höhle, trifft auf Grubenarbeiter, die sie anleuchten und weggehen; sie läuft hinaus, steht in der Sonne zwischen Bergen am Meeresstrand. Kameraführung, Mimik und Musik dramatisieren die Ereignisse. Lichtbildnerei dient der Künstlerin zur Formung eines Bewusstseinsprozesses.

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