Kultur : Natur

Am 11. September wäre er 100 Jahre alt geworden. Bis dahin zitieren wir täglich Theodor W. Adorno

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Das Wort „Natur“ bedeutet in seinem allgemeinsten Sinne die Gesamtheit des unbewussten Daseins schlechthin. Zwar verengte der oberflächliche Sprachgebrauch diese Bedeutung, doch ohne sie grundsätzlich zu verändern. Der Ausdruck etwa „in die Natur gehen“ besagt dem Grundgefühl nach nichts anderes, als das unbewusste Dasein aufsuchen, dort, wo es in der Erscheinungswelt am deutlichsten ausgeprägt ist. Dass sich der einfache Mann unter der Natur den Wald vorstellt, zeugt lediglich davon, dass er unfähig ist, das Erlebnis der Natur in eine begriffliche Form zu fassen, und es darum mit einer rein sinnlichen Vorstellung zu bannen strebt.

Aus: Natur, eine Quelle der Erhebung, Belehrung und Erholung. Abituriums-Aufsatz, Ostern 1921. In: Theodor W. Adorno, Gesammelte Schriften. Hg. von Rolf Tiedemann unter Mitwirkung von Gretel Adorno, Susan Buck-Morss und Klaus Schultz. Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main, 1997. Band 20.2

WAS ADORNO SAGT (30)

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