Kultur : Naumanns Abgang: Meine Sprache: Angst vor alten Wörtern

In der Kulturszene hat der bevorstehende Rücktritt von Kulturstaatsminister Michael Naumann (SPD) Überraschung ausgelöst. Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels ist nach den Worten seines Vorstehers Roland Ulmer "traurig" über den Entschluss Naumanns: "Wir bedauern, dass Herr Naumann sich aus diesem Amt zurückzieht". "Er war ein Freund des Buchhandels und hat uns bei Fragen wie der Buchpreisbindung und der Teilwertabschreibung entscheidend geholfen. Wir können nur hoffen, dass sein Nachfolger uns ebenso gewogen sein wird und ein Herz für die Bücher hat."

Suhrkamp-Verleger Siegfried Unseld bezeichnete Naumanns Wirken als "hervorragend". Rolf Bolwin, Direktor des Deutschen Bühnenvereins in Köln, sagte: "Es ist gut, dass wir jemanden auf Bundesebene haben, der die Sache der Kultur vertritt. Naumann hat etwas aus seiner Aufgabe gemacht".

Filmemacher und Oscar-Preisträger Volker Schlöndorff bedauerte den Rücktritt: "Naumann war ein Glücksfall und das Amt dringend notwendig." Deutschland brauche eine Stimme des Geistes. "Verständlich, dass Naumann seine Stimme lieber in der Publizistik als in der Politik erheben will", meinte Schlöndorff. "Wichtig ist, das Amt zu erhalten und es wieder hochkarätig zu besetzen".

Dagegen bezeichnete der Schriftsteller Walter Kempowski Naumanns Wirken als "eher deprimierend". Naumann hätte mehr Kompetenzen erhalten müssen. "Die Kulturhoheit der Länder stand einem Staatsminister für Kultur immer entgegen", meinte Kempowski. Grundsätzlich halte er die Idee eines Kulturstaatsministers für gut. "Je mehr Kultur, desto besser."

Siegfried Unseld sagte, er hoffe, "dass das, was noch ein Gerücht ist, nicht eintritt. Ich finde die Einrichtung seiner Stellung und die Ausfüllung durch Herrn Naumann außerordentlich gut und produktiv und kreativ. Ich kann mir gar nicht vorstellen, dass ein anderer das so gut ausfüllen kann, wie er das gemacht hat."

Naumann habe einerseits die Interessen der Verleger im Blick gehabt, aber auch auf anderen kulturpolitischen Feldern "hervorragende Arbeit geleistet". Den designierten Nachfolger Julian Nida-Rümelin (SPD) kenne er nicht, ebenso wenig Naumanns Motive zum Rückzug aus dem Amt, sagte Unseld weiter. Naumann sei allerdings bei seiner Arbeit als Bundespolitiker stets mit der Schwierigkeit konfrontiert gewesen, dass die Kulturpolitik Sache der Länder ist.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben