Kultur : Nebulös

Hamburgs Kunsthalle muss Lösegeld zahlen

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Es ist einer der spektakulärsten Kunstraube der deutschen Nachkriegsgeschichte – und eine der seltsamsten Rückgewinnungsgeschichten dazu. Ein bizarrer Kunstkrimi – und ein Denkstück über die Grauzonen der Museumsarbeit (vgl. Tagesspiegel vom 15. Dez. 2005). Nun hat es vor Gericht ein Ende gefunden.

Die Vorgeschichte: 1994 verschwinden während der Ausstellung „Goethe und die Kunst“ in der Frankfurter Kunsthalle Schirn über Nacht zwei Bilder von William Turner, die die Londoner Tate verliehen hatte, sowie das Caspar-David-Friedrich-Gemälde „Die Nebelschwaden“, welches die Hamburger Kunsthalle nach Frankfurt entliehen hatte. 1999 wurden drei Männer für den Diebstahl zu Haftstrafen bis zu elf Jahren verurteilt.

Die Gemälde bleiben verschollen, bis der Frankfurter Strafverteidiger Edgar Liebrucks dafür sorgt, dass 2002 die Londoner Tate und 2003 auch die Hamburger Kunsthalle ihre Bilder wiederbekommen. Die unbekannten Hintermänner kassieren für die Turner-Bilder „Schatten und Dunkelheit“ und „Licht und Farbe“ mehrere Millionen Euro, die Liebrucks übergibt. Der Anwalt, der im Auftrag der Tate gehandelt hat, erhält vom Museum nach eigenen Angaben ein Honorar von 220 000 britischen Pfund (rund 320 000 Euro). Die Hamburger Kunsthalle hingegen widerspricht Liebrucks Forderung nach Entschädigung und äußert vor Gericht die Vermutung, der Anwalt könne mit den Dieben gemeinsame Sache gemacht haben.

Nun hat das Hamburger Landgericht dem Anwalt Recht gegeben. Es habe einen Auftrag der Kunsthalle gegeben, in dem die Zahlung eines Vermittlungshonorars vorgesehen war, sagte der Vorsitzende Richter. Er sieht es als erwiesen an, dass Liebrucks das Geld tatsächlich ausgelegt hat: „Wir haben ihm so weit geglaubt.“ Das Gericht verurteilt die Kunsthalle daher, Liebrucks das Lösegeld in Höhe von 250 000 Euro zu erstatten sowie ein Honorar von 20 000 Euro zu zahlen. Die Kunsthalle kann gegen das Urteil Berufung einlegen.

Zur Zeit hängen „Die Nebelschwaden“ in der Caspar-David-Friedrich-Ausstellung in Essen. Die Ausstellung wandert danach auch nach Hamburg. til

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