Ned Doheny live in Berlin : Grüße von der Westküste

Der kalifornische Musiker Ned Doheny gab im Roten Salon der Berliner Volksbühne ein wunderbares Konzert - trotz starker Erkältung.

Volker Lüke
Der US-Musiker Ned Doheny, 67.
Der US-Musiker Ned Doheny, 67.Foto: Volksbühne

Manche Menschen gehen verloren und manche, die man verloren geglaubt hat, tauchen plötzlich wieder auf. So wie Ned Doheny, der zu jener kleinen Gruppe gehört, die mit den Jahren nicht an Drogen verreckt oder am Swimmingpool versnobt sind, und ewig zu den Geheimtipps und geflüsterten Namen gehörte. Einige von ihnen schaffen es aus Versenkung zurück auf die Bühne, so wie Sixto Rodriguez, Linda Perhacs oder Lewis Baloue.

Auch bei Doheny fragt man sich, warum dieser geniale Songschreiber nicht längst bei einem größeren Publikum die ihm gebührende Anerkennung gefunden hat. „Er hätte ein Star werden müssen – so gut sind seine Songs“, sagt nicht nur David Crosby über den Mann aus Malibu, der mit seiner exquisiten Mischung aus Folk, Blue-Eyed-Soul, Funk, Disco und purem Pop wie kaum ein anderer das Lebensgefühl der legendären Laurel-Canyon-Westcoast-Szene der 70er eingefangen hat. Eine Musik, die 40 Jahre später unter dem Begriff Yacht Rock eine Renaissance erlebt, die man auf Samplern wie „Too Slow To Disco“ von DJ Supermarkt nachhören kann, der die Leute im Roten Salon auf Dohenys Auftritt einstimmt.

Ned Doheny präsentiert sich im Roten Salon trotz heftiger Erkältung in bester Laune. So direkt und unverbogen, so respektvoll und gleichzeitig entwaffnend im Umgang mit dem Publikum war schon lange kein Sänger mehr. Getragen von einem beinah kindlichen Charme schlägt der 67-Jährige die Zuhörer in seinen sanften Bann. Diszipliniert stellt er seine Akustikgitarre in den Vordergrund und nimmt sich immer wieder Zeit für berückende Geschichten oder witzige Anekdoten aus seinem Musikerleben. Um dann wieder mit der unendlichen Gelassenheit wunderbare Songs aus dem Griffärmel zu schütteln, die man dankbar entgegennimmt, auch wenn dabei echte Zuhörerarbeit geleistet werden muss. Er spielt die herzergreifende Kuschelballade „Postcards From Hollywood“, den Discofeger „What Cha’ Gonna Do For Me“, mit dem es Chaka Khan 1981 in die Charts schaffte und zum Schluss „Get It Up For Love“, den Über- Hit, der zum Mitsingen einlädt: „Hey Baby! Huhuuuu!“. Ein geschmeidiger Laidback-Sound, der einen einwickelt wie ein Frotteebademantel und gleichzeitig mit einer unverschämten Funkyness ans Tanzbein kickt. Dabei besteht das Konzert eigentlich nur aus Auslassungen, notgedrungener Reduktion und Ned Dohenys angegriffenen Stimmbändern. Doch wie der Musiker aus Kalifornien am Mikrofon steht, mit sparsamen Bewegungen und einem sanften Lächeln auf dem Lippen, sieht man, dass es ihm ein Vergnügen ist, zu zeigen, dass seine Songs zeitlos sind und sein musikalisches Konzept noch längst nicht verbraucht. Gerne hätte man noch weitergelauscht bei diesem schönen Liederabend. Nach 90 betörenden Minuten ist allerdings Schluss. Für eine Zugabe fehlt dem wiederentdeckten Yacht-Rock-Poeten dann doch die Kraft. Schade, aber toll.

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