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Karl HAfner

„Gefährten des Todes“ von Sam Pekinpah

Es geht um Rache, Schuld und Vergebung in Sam Peckinpahs erstem Kinofilm „Gefährten des Todes“ (Koch Media), einem Western von 1961. Der Ex-Soldat Yellowdog will den Mann finden und töten, der ihn misshandelt und entstellt hat: Search and destroy – kein anderer Gedanke. Doch Yellowdog erschießt ein Kind, aus Versehen. Er wird die Mutter auf einer gefährlichen Reise durch das Land der Apachen begleiten, um das Kind zu beerdigen. Peckinpah hatte sich bereits einen Namen gemacht mit Westernserien für das Fernsehen. Für „The Deadly Companions“ waren weniger als vier Wochen Drehzeit eingeplant, das Geld war knapp. Peckinpah war solche Bedingungen gewöhnt und der ideale Mann– doch blieb er dem Produzenten suspekt. Drehbuchänderungen wanderten in den Müll, die Hauptdarstellerin Maureen O’Hara wurde angewiesen, nicht mit dem Regisseur zu reden, auch der Kameramann William Clothier sollte Distanz halten. Der Produzent war der Chef – Peckinpah mochte das Ergebnis nicht so recht. Trotzdem ist „The Deadly Companions“ ein schöner Western geworden mit einigen Motiven, die in Meisterwerken wie „Ride The High Country“, den er nur ein Jahr später drehte, und vor allem in „The Wild Bunch“ wieder auftauchen: die Auswirkungen von Gewalt auf Kinder, die Bigotterie der Kirchgänger und der tiefe Respekt für Outlaws, die ihren eigenen moralischen Regeln folgen, während die scheinbar gute Gesellschaft verlogen und grausam erscheint.

Thomas Heises „Vaterland“

Geschichte erzählt Thomas Heise eigentlich immer in seinen Dokumentarfilmen, zu denen nun die DVD „Vaterland. 3 Filme, 1 Fragment, 7 Töne“ (Filmgalerie 451/Revolver Edition) erschienen ist. Wobei Geschichte zwar das Vergehen von Zeit bedeutet, jedoch kaum Entwicklung kennt. Die Vergangenheit ist in die Gegenwart geschrieben. Alte Wunden bleiben, vielleicht überwuchert, aber dennoch da, wie die verfallenen Plattenbauten in „Vaterland“ von 2002, in dem der Ort Straguth in Sachsen-Anhalt und seine Bewohner porträtiert werden. Feuerwehrfeste, Blasmusik, Saufen. Restfamilien. Hunde als treueste Weggefährten. Früher donnerten wenigstens noch ein paar Kampfjets über das Dorf. Die Leute schwärmen noch heute von den Russen, die hier stationiert waren. Gute Menschen waren das, und so höflich. Der Wirt konnte ihnen Alkohol verkaufen, in der Wendezeit hätten sie versucht, ihre Waffen zu verscherbeln. In „Im Glück (Neger)“ von 2006 zeigt Heise kurze Einblicke in das Leben von einigen jungen Menschen, mit denen er 1990 Heiner Müllers „Anatomie Titus Fall of Rome“ inszeniert hat. Auch hier werden keine durchgehenden Biografien nachgezeichnet, es gibt keine Linearität, Vergangenheit und Gegenwart treffen sich auch hier in jedem Moment. Hoffnungen, verpasste Chancen, Behördengänge. Die Tonspur springt über Zeitlöcher. Archivmaterial, Briefe und Texte, unter anderem von Heiner Müller, verbinden die kurzen Einblicke in das Leben von fünf Menschen. Kühle Sezierungen des Alltäglichen sind Heises Filme – an genau den Punkten, an denen sich Individuum, Zeit und Geschichte treffen. Karl HAfner

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