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Karl Hafner

OVERLORD

Regie: Stuart Cooper

Tom Beddows ist erst 21, doch der Held des bemerkenswerten Kriegsfilms „Overlord“ (Bildstörung) ahnt längst, dass sein Leben bald vorbei sein wird. Tom wurde eingezogen, um gegen die Wehrmacht zu kämpfen. Bald landen die Alliierten an den Stränden der Normandie. Und Tom wartet in einem der Landungsboote darauf, den Strand zu stürmen.

Der D-Day, die Operation Overlord, dient zahlreichen Filmen über den Zweiten Weltkrieg als heroisches Zentrum. Das Elend und Sterben des einzelnen Soldaten bekommt hier, wenigstens historisch betrachtet, seinen Sinn. Regisseur Start Cooper dagegen lässt seinen Protagonisten immer mehr Teil einer entindividualisierten Kriegsmaschine werden: egal, wer wo welches Gerät bedient oder sein Gewehr abfeuert. Mechanisch durchläuft Tom seine Grundausbildung, der Vorgesetzte brüllt. Haare schneiden, impfen, Truppenübungen. Hier gibt es kein Subjekt mehr, der große Plan steht. „Overlord“ schreitet voran wie ein Traum, Toms Vision des eigenen Todes manifestiert sich immer mehr. Große Teile des Films bestehen aus Archivmaterial, inszenierte Kampfszenen gibt es nicht. Cooper hat im Imperial War Museum tausende Stunden Film gesichtet und dann mit seinem Drehbuchautor eine passende Handlung gebaut. Die Spielfilmszenen drehte John Alcott, bekannt vor allem als Kameramann von Stanley Kubrick, mit alten Objektiven in Schwarz-Weiß. Auf der Berlinale 1975 bekam der Film einen Silbernen Bären und wurde doch beinahe vergessen. Dabei ist „Overlord“ einer der wenigen (Anti-)Kriegsfilme, die nicht implizit dann doch bloß wieder von soldatischen Tugenden schwärmen.

TEUFELSKERLE ...

Regie: Bruce Brown

Durch seinen albernen deutschen Namen „Teufelskerle auf heißen Feuerstühlen“ (Schröder Media) wirkt der Dokumentarfilm „On Any Sunday“ von 1971, der seinem Regisseur eine Oscar-Nominierung einbrachte, völlig aus der Zeit gefallen. Es geht um die Leidenschaft fürs Motorradfahren, darum, was Menschen dazu bringt, jedes Wochenende wieder ihr Leben zu riskieren in Straßen- und Dragsterrennen, beim Speedway auf Sand und Eis oder beim Motocross. Bruce Brown folgt einigen Fahrern durch die Rennsaison, zeigt etwa, wie Speedway-Fahrer ihr individuelles Reifenprofil vor dem Rennen mit einer Rasierklinge ritzen. Es geht – mit spektakulären Aufnahmen – um Stürze, Brüche und das Weitermachen, um das harte Leben als Rennfahrer zu einer Zeit, in der man wirklich nicht reich davon wurde. Natürlich sind diese Menschen hier Helden, echte Männer, die wissen, wie Motoren funktionieren, die wenig reden und sich mit einem Grinsen den Staub von der Jacke klopfen. Was wir machen, ist der größte Spaß der Welt! Finanziert wurde der Film teilweise von Steve McQueen, der selbst begeistert Rennen gefahren ist und im Film ein paar Auftritte hat. Am Ende sieht man ihn mit Freunden über einen Strand rasen. Die Motorräder ziehen Spuren, der Sand spritzt, die Sonne geht gerade unter, dazu wunderbar kitschige Musik – ach, ist das zeitlos und wunderschön. Karl Hafner

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