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Karl Hafner

BLACK DYNAMITE

von Scott Sanders

Jimmy ist tot! Black Dynamite, Ex-CIA-Agent und Ex-Vietnam-Soldat, fasst es nicht. Er hat seiner Mutter versprochen, auf seinen kleinen Bruder aufzupassen. Und jetzt das! Also will er die Mörder seines Bruders finden und gleich auch mit den Bösewichtern aufräumen, die den Kindern des benachbarten Waisenhauses Drogen verkaufen. „Black Dynamite“ (Universum), 2009 gedreht von Scott Sanders, ist eine Hommage an die Blaxploitation-Filme der Siebzigerjahre, eine bis in die Details stimmige Genre-Parodie. Jeder Auftritt von Black Dynamite (Jay White), wird begleitet vom Titelsong wie von einer Signatur – und dann fliegen die Fäuste, dass es eine wahre Freude ist. Black Dynamite beherrscht die Nahkampftechniken dieser Welt. Eventuell vergessene Waffen werden während des Kampfes einfach wieder ins Bild geworfen, und gelegentlich ist der größte Gegner die ins Bild hängende Tonangel, die dem Helden penetrant ins Gesicht stößt. Dabei hat er eine Verschwörung aufzudecken, die über die Chinesen auf Kung-FuIsland bis zu Richard Nixon führt. Das hanebüchene Drehbuch funktioniert auf den Punkt, das Set-Design ist wunderbar. Der ganze Film ist schrill und überzogen, perfekt kalkulierter Trash. Schon die Szene, in der Black Dynamite in einem Anflug intellektueller Genialität die sexuellen Ängste des weißen Mannes im Weißen Haus erkennt, ist unvergesslich.

BOSTON STREETS

von Brian Goodman

Die Geschichte, die „Boston Streets“" (Ascot Elite) erzählt, wurde schon oft verfilmt, aber dennoch verwundert es, dass ausgerechnet dieser Film von 2008 bei uns nicht im Kino zu sehen war. Er ist einer der besseren Filme zum Thema: So trist ist das Gangsterleben. Brian und Paulie, gespielt von Mark Ruffalo und Ethan Hawke, sind Freunde seit Kindheitstagen, Partners in crime, seit sie denken können. Ihre Aufträge bekommen sie von Pat, dem lokalen Obergangster, auch er nicht viel mehr als ein kleines Licht. Und es sind lächerliche Aufträge: Geld eintreiben, jemanden verprügeln – oder auch mal einen Pudel entführen, weil sich ein Geschäftsmann für einen gepetzten Seitensprung rächen will. Pat fordert seinen Anteil, dann kommt der nächste Deppenjob. Episodenhaft erzählt der Film, wie den beiden das Leben aus den Händen gleitet. Während Paulie sich aus den Fängen von Pat lösen will, sieht Brian das stoischer. Er nimmt Kokain, trinkt und kommt immer weniger mit seiner Frau und den beiden Kindern klar. In seiner ersten Regie-Arbeit erzählt der Schauspieler Brian Goodman Teile seiner Autobiografie – überraschend emotionslos. Über allem aber schwebt das ewige Mantra des amerikanischen Crime-Films: Verbrechen zahlt sich nicht aus, niemals. Und in Boston – das wissen wir aus vielen anderen Filmen – schon gar nicht.

STAGECOACH

von John Ford

Neun Reisende in einer Kutsche, archetypische Figuren des Western, schickt John Ford 1939 in „Stagecoach“ auf die gefährliche Fahrt durch das Gebiet der Apachen - auf eine „Höllenfahrt nach Santa Fé“ (Voulez Vous), wie der Film vom deutschen Verleih getauft wurde. Unter ihnen: eine Prostituierte, von Puritanerinnen verjagt, ein alkoholkranker Arzt, ein Spieler, die schwangere Frau eines Offiziers und ein gutmütiger Marschall. Das ist eine scheinbar zufällige Konstellation, die zu einer funktionierenden Gemeinschaft werden muss, zur Keimzelle Amerikas. Da stößt Ringo zur Gruppe. Sein Erscheinen ist John Waynes legendärer Eintritt in die Kinogeschichte. Ein Gewehrschuss, ein rumpelnder Zoom, der den Blick aus der Kutsche simuliert, eine kurze Unschärfe, dann die Großaufnahme von John Waynes Gesicht – hier steht der Inbegriff des Westerners vor den Felsformationen des Monument Valley. Ringo ist auf der Jagd nach den Mördern seines Vaters und seines Bruders. Er selber wird gesucht wegen eines Verbrechens, das er nicht begangen hat. Natürlich nicht. Und bald greifen die Indianer an, die Kutsche donnert durch die Wüste. Staub, Schüsse, vom Pferd stürzende Menschen. „Stagecoach“ ist auch heute noch spannend, aufregend und rasant – einer der schönsten und wichtigsten Western der Kinogeschichte. Karl Hafner

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