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Karl Hafner

ZAUNGÄSTE

von Leszek Dawid und Matl Findel

Wie sehen die Deutschen die Polen – und umgekehrt? Um den Blick auf das jeweilige Nachbarland geht es in dem Dokumentarfilmprojekt „Zaungäste – zza plotu“ (Schiess doch/b-ware!media), das die Berliner Akademie der Künste vor zwei Jahren initiierte. Zwei Sommer lang reisten die beiden Filmemacher Leszek Dawid, der an der Filmhochschule im polnischen Lodz studierte, und der im Allgäu geborene Absolvent der Berliner dffb, Matl Findel, jeweils durch das Land des anderen, um zu filmen. Einzige Vorgabe: Die Kamera muss unbewegt sein. In 25 Bildpaaren mit einer Aufnahme aus Deutschland und einer aus Polen entwickelt sich aus der Statik einer gewählten fotografischen Perspektive immer wieder von neuem eine faszinierende Choreografie. An einer Straßenkreuzung kommen und gehen Menschen, mit Einkaufstaschen, mit Sonnenschirmen, auf Fahrrädern oder zu Fuß, bleiben stehen, scheinen einen Anschlag zu lesen, gehen weiter. Was tun die Menschen? Sind wir jetzt in Deutschland oder in Polen? Und: Was erwartet man, wenn man ohne Vorwissen Zeuge einer Szene wird?

An irgendeinem Punkt treffen sich die Bilder aus beiden Ländern jeweils, thematisieren dasselbe: Menschen kommen zu spät. Menschen passiert ein Missgeschick. Menschen schmücken sich, warten, spielen. Manchmal erkennt man die Verbindung zwischen den beiden Bildarrangements sofort, oft ist es jedoch nur eine Kleinigkeit am Rande, die den gemeinsamen Kontext definiert. Dieses ebenso schlichte wie schöne Konzept erinnert vortrefflich daran, was das Medium Film so faszinierend macht: Es gibt immer wieder einen neuen Blick, ein neues Sehen – und auf einmal ist der Alltag das aufregendste Motiv, das sich nur denken lässt. Karl Hafner

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