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Karl Hafner

HORROR „Valerie – Eine Woche voller

Wunder“, Regie: Jaromil Jireš

Valerie sieht die Welt mit anderen Augen in diesem Film von Jaromil Jireš, einem Begründer der tschechischen Neuen Welle in den Sechzigern. 1970 drehte Jireš die entrückte, surrealistische Horrorstory „Valerie“ (Bildstörung), die an tschechische Märchenverfilmungen und an Softcore-Filme erinnert: ein einziger großer Tagtraum. Er beginnt mit Valeries erster Menstruation. Vertraute Menschen werden zu sexuellen Wesen, Doppelgänger, lesbische Vampire und lüsterne Priester bevölkern Valeries Welt. Familiengeheimnisse kommen ans Licht, die stocksteife, religiöse Stiefmutter ist ein triebhaftes Ungeheuer. Die Heldin wird auf dem Scheiterhaufen verbrannt; ihr magischer Talisman rettet sie. Valerie bleibt übermütig und begreift die Sexualität als Spielwiese, bis Schiedsrichter Regeln durchsetzen. Ein visuelles Gedicht, wunderschön und furchtbar.

EROTIK „Ars Amandi – Die Kunst

der Liebe“, Regie: Walerian Borowczyk

Der polnische Regisseur Walerian Borowczyk, Genie, Pornograf und Provokateur, beendete 1983 mit „Ars Armandi“ (Donau Film) seine unmoralische Trilogie über sexuelle Ausschweifungen. Seinen Ruf als Skandalregisseur hatte er sich spätestens 1975 mit „La Bête“ erarbeitet. Gar so zoophil geht es hier nicht zu: Der römische Dichter Ovid predigt seinen Schülern den freien Umgang mit der Liebe und lehrt sie die Kunst der Verführung. Cornelius setzt das Gelernte in die Praxis um und umwirbt die Frau des römischen Soldaten Macarius. Der Soldat rächt sich; Ovid, der Prophet der Sünde, bekommt Ärger wegen seiner Jugendverderberei. Komische Sache: Ein Papagei spielt den Aufpasser, eine Dienerin betet einen steinernen Phallus an, Orgien wechseln mit klassischer Bildung. Einen derartigen Erotikfilm mit Kunstanspruch würde heute keiner mehr drehen. Unterhaltsam ist er allemal.

SCIENCE-FICTION „Daybreakers“,

Regie: Michael und Peter Spierig

Sexy sind Vampire im Kino mittlerweile kaum noch. Keusch blinzeln sie sich durch Teeniefilme, oder sie werden gleich zur Seuche. In „Daybreakers“ (Sunfilm), einem Science-Fiction-Film der australischen Brüder Michael und Peter Spierig von 2009, lebt ein Großteil der Weltbevölkerung von Blut. Die Vampirwelt leidet jedoch an Ressourcenknappheit, fieberhaft wird in den Laboren nach einem Ersatzstoff für Blut gesucht, bevor verhungernde und marodierende Vampire immer mehr zum Problem werden. Edward Dalton, Vampir und Forscher (Ethan Hawke), hasst die Unmenschlichkeit seines Daseins. Mit menschlichen Renegaten, unter ihnen der geheilte Ex-Vampir Elvis (Willem Dafoe) kämpft er gegen das herrschende System. „Daybreakers“ ist trotz seiner namhaften Besetzung ein B-Movie. Wenig plausibel die Handlungslogik, hanebüchen die Versuche, gesellschaftskritisch zu sein. Aber die Atmosphäre im Jahr 2019 hat es in sich, in dieser düsteren Welt voller Chrom, Glas und Stahl. Etwas verrucht geben sich die Vampire auch noch: Als ob sie ihre Unsterblichkeit demonstrieren müssten, rauchen sie wie die Schlote. Der Rest ist Action, Gemetzel und Blutbad, pessimistisch und effektvoll inszeniert. Karl Hafner

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