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Karl Hafner

THE LONG GOOD FRIDAY

Regie: John Mackenzie

Solange das organisierte Verbrechen nur mit dem Geschäftemachen beschäftigt ist, stört sich niemand daran in John Mackenzies Gangsterfilm „The Long Good Friday“ (Spirit Media), der 1980 von George Harrisons Firma HandMade Films produziert wurde. Bob Hoskins spielt darin den gern gesehenen Londoner Unterweltboss Harold Shand. White collar crimes sind seine Spezialität: Bauvorhaben, Bestechungen, Geldwäsche – unauffällig bleiben und reich werden. Seit zehn Jahren schafft er Ruhe in der Londoner Unterwelt – und hält die Stadt am Laufen. Jetzt will er ein Olympiastadion bauen, der Stadtrat ist einverstanden, es fehlt ein Investor. Die amerikanische Mafia will einsteigen. Am Karfreitag (deutscher Filmtitel: Rififi am Karfreitag) soll die Zusammenarbeit gefeiert werden, auf der Yacht des Gangsters mit Schampus, Häppchen und illustren Gästen aus der Politik. Dann explodieren die ersten Bomben, die ersten Leichen werden gefunden. Und ein Imperium droht einzustürzen – in nur zwei Tagen. „The Long Good Friday“ ist brillantes Genrekino, kompromisslos, blutig und komplex. Es geht vor allem um Shands. Hinter dessen zivilisiertem Auftreten offenbart sich Ratlosigkeit, die zu brutalem Aktionismus führt, im Zaum gehalten und gesteuert von seiner Frau (Helen Mirren). Hier entgleitet einem sein Lebenswerk. Andere, größere Mächte treten auf den Plan. Die Bombenattentate tragen die Handschrift der IRA.

HOTTE IM PARADIES

Regie: Dominik Graf

Wie schlicht die Welt doch ist: Der Traum vom großen Geld treibt auch den Zuhälter Hotte in Dominik Grafs Fernsehfilm „Hotte im Paradies“ (KNM Home Entertainment) von 2003. Hotte ist nur ein kleines Licht. Seine zwei Damen bringen nicht genug Geld für das Luxusleben, das ihm seine Zuhälterfreunde vorleben. Es wird erst besser, als Jenny dazukommt. Auf einmal stimmt die Kasse. Zumindest auf Pump kann sich Hotte jetzt jene Statussymbole kaufen, die ihm in der Welt der Berliner Luden ein wenig Anerkennung bringen. Selbstverständlich geht das nicht lange gut. Eine der Frauen will aussteigen, und Goldesel Jenny geht zu einem anderen Zuhälter. Der Drehbuchautor Rolf Basedow, mit dem Graf häufig gearbeitet hat – zuletzt für die hochgelobte Serie „Im Angesicht des Verbrechens“ – hat lange im Rotlichtmilieu recherchiert. Die Schauplätze sind authentisch, die dialekttrunkenen Dialoge eine Freude. Gedreht wurde mit DV-Kameras, mit quasi-dokumentarischem Habitus, doch „Hotte im Paradies“ ist keine pure Milieustudie. Alles findet in einer sleazy B-Movie-Atmosphäre aus billigem Rosarot, Kopfweh-Parfüm und ekelhafter Generosität statt, die nur funktioniert, solange es nicht hart auf hart kommt. Hotte plappert aus dem Off seine Lebensweisheiten und kämpft letzten Endes doch nur gegen die materielle Not. Er ist wirklich kein harter Hund.

RACHE FÜR JESSE JAMES

Regie: Fritz Lang

Fritz Langs erster Farbfilm, der Western „Rache für Jesse James“ (Koch Media) von 1940, war ein Sequel. Ein Jahr zuvor erzählte Henry King in „Jesse James, Mann ohne Gesetz“ die Lebensgeschichte des Outlaws, der von den Mitgliedern der eigenen Bande, den FordBrüdern, erschossen wurde, und landete damit einen Hit. Mit den Bildern der Ermordung von Jesse James aus Kings Film beginnt Langs Auftragsarbeit, die mit visuellen Spielereien in leuchtendem Technicolor beeindruckt. Frank, Jesses älterer Bruder, hat sich auf eine Farm zurückgezogen, wird jedoch weiterhin gesucht. Als die Mörder seines Bruders in einem fragwürdigen Prozess freigesprochen werden, beschließt Frank, selbst für Gerechtigkeit zu sorgen. Später wird er selber vor Gericht stehen, und dort steht das korrumpierte Gesetz gegen den Volkswillen und das Herz. Jesse James und seine Bande sind hier Robin Hoods des Wilden Westens, weit entfernt von ihren historischen Vorbildern, die einfach Verbrecher waren. Langs Film thematisiert diese Mythenbildung sogar, um sie dann umso massiver selbst zu betreiben. Auf seinem Rachezug besucht Frank eine Theateraufführung, die seinen Bruder als Gangster zeigt und Frank die Zornesröte ins Gesicht treibt. So war das nicht! Drei Menschen sterben in diesem Film, auch Franks schlimmster Feind. Doch Frank selbst muss sich die Hände nicht schmutzig machen. Eine weißere Weste hatte ein Gangster selten. Karl Hafner

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