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Karl Hafner

WESTERN

Tag der Gesetzlosen

von André de Toth

Allzu erfolgreich war „ Tag der Gesetzlosen“ (EuroVideo) 1959 nicht. Die Kritiken waren damals eher mau, und dennoch hat de Toth, vor allem bekannt als Regisseur von „House of Wax“ – der Horrorreißer von 1953 ist einer der ersten und erfolgreichsten 3-D-Filme –, einen Western geschaffen, dem eine ganz eigene Atmosphäre der Hoffnungslosigkeit zugrunde liegt. Der in Schwarz-Weiß gedrehte Film spielt im tiefsten Winter. Das Land wirkt, als gäbe es dort nichts anderes als Depression und Grau. Cowboy Blaise Starrett (Robert Ryan) streitet sich mit einem Farmer, der Stacheldraht verwenden will, um seine Anbauflächen zu schützen. Die Zeichen stehen auf Eskalation, bevor ein Feind von außen den Zusammenhalt der Dorfgemeinschaft erzwingt. Eine Bande Banditen, auf der Flucht vor Gesetzeshütern, macht sich im Dorf breit, nur im Zaum gehalten von ihrem Anführer. Wenn er stirbt, wird die Hölle los sein, das ist allen klar. Um die Stadt zu retten, bietet Starrett der Bande an, sie über einen geheimen Weg durch die Berge vor ihren Verfolgern in Sicherheit zu bringen. Nur: Den Weg gibt es nicht, er führt immer tiefer hinein in Schnee und Eis. Die Bewegungen der Menschen werden langsamer, die Pferde schleppen sich, am Rande der Entkräftung, durch meterhohen Schnee. An ein Morgen glaubt hier bald keiner mehr, doch im Heute herrscht tödliche Gier.

GESCHICHTSDRAMA

Outside the Law (Hors la loi)

von Rachid Bouchareb

Bevor der Film von Rachid Bouchareb (erhältlich bei arthaus) 2010 in Cannes gezeigt wurde, gab es schon Streit. Geschichtsfälschung sei er, Propaganda. Später wurde „Hors la loi“, so der Originaltitel, für den Auslandsoscar nominiert. Bei uns ins Kino kam er nie – vielleicht weil er sich mit einem sehr französischen Trauma beschäftigt? Bouchareb erzählt in diesem Epos von drei algerischen Brüdern, die 1945 das Massaker von Sétif miterleben, als französische Truppen ein Blutbad unter algerischen Demonstranten anrichteten. Der Vater stirbt an diesem Tag, und einer der Brüder landet im Gefängnis, wo er politisch radikalisiert wird. Jahre später treffen sich alle drei wieder in einem Armenviertel von Nantes. Der Jüngste versucht als Nachtclubbesitzer und Box-Promoter sein Glück. Die beiden Älteren kämpfen im bewaffneten Untergrund für die FLN gegen Frankreich. Die Gewalt eskaliert, auf Terror folgt Gegenterror. Der französische Geheimdienst gründet mit der „Roten Hand“ eine eigene Abteilung, um außerhalb der Rechtsstaatlichkeit Unterstützer der algerischen Unabhängigkeitsbewegung drangsalieren zu können. Mit der Unabhängigkeit Algeriens 1962 endet der Film, der über weite Strecken in der Zwielichtigkeit von Gangsterfilmen spielt und immer wieder an Coppolas „Der Pate“ oder Melvilles „Armee der Schatten“ erinnert. Die drei Geschichten der Brüder sind kunstvoll verschachtelt, das Tempo ist hoch, der Film ist immer spannend und vor allem gegen Ende doch wesentlich mehr Actionfilm als Geschichtsdebatte. Es gibt Schlimmeres.

HORROR

Timecrimes

von Nacho Vigalondo

Sich selbst beim Leben zuschauen: Das muss Hector in dem kleinen, gemeinen Science-Fiction-Horrorfilm „Timecrimes“ (Koch Media) des Spaniers Nacho Vigalondo, der 2007 auf Fantasy-Filmfesten für Furore sorgte und so spannend wie stimmig mit den Motiven Zeitreise und Doppelgänger spielt. Der durch und durch normale Hector ist mit seiner Frau aufs Land gezogen, in die Einsamkeit. Netter Garten, nette Landschaft, doch alles überlagert durch eine triste Vorahnung. Eines Tages beobachtet Hector durchs Fernglas, wie sich eine junge Frau im nahen Gebüsch auszieht. Neugierig sucht er nach ihr und findet sie: nackt und tot. Plötzlich wird Hector angegriffen von einem Mann mit bandagiertem Kopf und einer Schere in der Hand. Auf der Flucht vor diesem Verrückten schafft er es zu einem geheimnisvollen Haus mitsamt Labor. Ein Wissenschaftler rät ihm, sich in einem Behältnis mit milchiger Flüssigkeit zu verstecken – und die Zeitreise beginnt. Ein paar Sekunden später ist eine Stunde früher, und Hector sieht sich selbst, wie er im Garten sitzt, durch sein Fernglas schaut … „Timecrimes“ ist eine gewagte Konstruktion aus Ursache und Wirkung, aus freiem Willen und Schicksal, paradox und fesselnd bis zum Ende. Karl Hafner

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