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Karl Hafner

COMICVERFILMUNG

Largo Winch 2

Ein Mann ohne Feinde ist gar kein Mann, heißt es großspurig in „Largo Winch 2 – Die Burma Verschwörung“ (Sunfilm) von Jérôme Salle, einer aufwendigen, französischen Comicverfilmung. Im ersten Teil der Reihe erbte der junge Abenteurer Largo Winch (Tomer Sisley) das Firmenimperium seines Vaters, das Milliarden wert ist – nicht ohne zuvor Intrigen, Verschwörungen und Attentate überleben zu müssen. Im zweiten Teil nun kündigt der Bursche auch noch an, die Firma verkaufen zu wollen und das Geld an wohltätige Organisationen zu spenden. Mächtige Gegenspieler formieren sich, die Politik wird unruhig – und auf einmal steht Interpol vor der Tür, vertreten durch eine bissige Staatsanwältin (Sharon Stone) im sehr kurzem Rock, und erhebt schwere Vorwürfe gegen Largo und seinen mittlerweile verstorbenen Vater. Sie seien verantwortlich für Massenvertreibungen in Burma. Dann wird eine Leiche gefunden, ausgerechnet auf Largos Yacht. Es gibt versteckte Konten und fiese Oligarchen, Intrigen, Gemeinheiten, Bestechungen. Largo Winch muss sich selbst darum kümmern und flieht aus dem Interpol-Gefängnis. Was folgt, ist flott inszenierte Action vor traumhaften Kulissen – schönste Städte, herrlichste Landschaften, und das immer bei bei bestem Wetter. Es gibt raffinierte Morde und wilde Verfolgungsjagden, Explosionen, Schlägereien, Abenteuer, alles ohne tieferen Hintergrund. Über mögliche politische Implikationen wird hinweggerast, gefetzt, gesprungen. Hier geht es nur um Zuschauerspaß; trotz aller Glattheit funktioniert der über weite Strecken wunderbar.

EROTIKFILM

Unmoralische Geschichten

Bilder wider die guten Sitten, eine Störung der gesellschaftlichen Moral, verfertigte Walerian Borowczyk 1974 mit seinem erotischen Episodenfilm „Unmoralische Geschichten“(Bildstörung), der damals einer der Hits des französischen Kinojahrs war und dem Regisseur zum Durchbruch, aber auch zu seinem Ruf als Pornograf verhalf. Vier Episoden in vier Epochen behandeln jeweils ein sexuelles Thema, genauer: einen gesellschaftlichen Regelverstoß. Es geht um Fellatio und Masturbation, um lesbischen Sex und Inzest. Im Zentrum steht die Kirche mit ihrer rigiden Sexualmoral. In der Episode „Lucrezia Borgia“ vergeht sich der Vatikan in inzestuöser Lust, in „Thérèse Philosophe“ wird ein Mädchen deshalb bestraft, weil es zu lange in der Kirche geblieben ist. Drei Tage lang soll sie deshalb eingesperrt bleiben. Zu essen bekommt sie ausgerechnet Gurken, doch auch die meist religiös konnotierten Gegenstände im Zimmer finden bald zu ihrem Sinn zwischen göttlicher Liebe und irdischem Verlangen. Die Episoden sind schlüpfrig und teils komisch – immer aber wesentlich intimer, als es Pornografie von heute überhaupt sein will oder könnte. In einer albtraumhaften Episode hat Paloma Picasso, Tochter des Malers, den einzigen Filmauftritt ihres Lebens: Sie spielt – sehr freizügig – die Gräfin Bathory, die im Blut der hübschesten Mädchen des Dorfes badet. Spätestens hier verlangt auch Thanatos deutlich sein Recht und hebt den Film weit über das übliche softpornografische Geplänkel der Siebziger. Karl Hafner

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