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Karl Hafner

THRILLER

Fear X

von Nicolas Winding Refn

Das Gesicht des Mörders auf dem Foto löst sich auf in eine beliebig vergrößerte Pixelmasse. Und doch ist dieses Bild auf der Polizeiwache ein Hoffnungsschimmer für Harry (John Turturro), der Abend für Abend unzählige Bänder von Überwachungskameras durchschaut, um Hinweise auf den Mörder seiner Frau zu finden. Harry ist aus dem eigenen Leben gefallen in „Fear X“ (Sunfilm) von 2003 – das finanzielle Desaster damals hätte den heute für seinen Gangsterfilm „Drive“ so gefeierten Regisseur fast in den Ruin getrieben. Dabei ist „Fear X“ ein guter Film, der von seiner Ruhe und seiner Tristesse lebt und erst gegen Ende ein wenig beliebig zu werden droht. Doch Winding Refn scheint es weniger um die kriminalistische Logik als um den geistigen Zustand seines Protagonisten zu gehen. Der Tod von Harrys Frau war ein blöder Zufall, falsche Zeit, falscher Ort, Schusslinie. Und doch ist Harry so sehr besessen von dem Warum, dass er seltsamste Wahrheiten über seine Frau zu erkennen glaubt: Irgendwann macht er sich, getrieben von einem Foto, auf die Reise nach Montana, um den Mörder, die wahre Geschichte seiner Frau, vielleicht aber auch sich selbst zu finden.

THRILLER

Assault – Anschlag bei Nacht

von John Carpenter

Ein Polizeipräsidium nahe Los Angeles im Belagerungszustand: Eine Jugendgang will sich an dem Mann rächen, der ihren Anführer getötet hat – nachdem dieser die kleine Tochter des Mannes erschossen hatte. Aber selbst das Prinzip Auge um Auge ist der Bande in diesem Klassiker von 1976 zu wenig, ihr geht es um Exzess, Anarchie, pure Gewalt. Fast die ganze Zeit bleibt der Film in diesem Revier im Irgendwo, in einem dieser gottverlassenen Orte des Schreckens, wie sie so typisch sind in solchen Filmen. Auch hier verschanzen sich ein paar Menschen gegen Eindringlinge, die als gesichtslose Masse losstürmen – in diesem klaustrophobischen „Rio Bravo“ der Siebziger scheinen sämtliche Bösewichter des Westküste nur ein Ziel zu haben, rein ins Präsidium und töten. Längen hat der Film keine – ein perfekter Low-Budget-Thriller, der zweite Langfilm von einem Meister seines Faches. Der Limited-Edition von Capelight, die DVD und Blu-ray samt Audiokommentar des Regisseurs enthält, liegt die Doku „Do you remember Laurie Zimmer?“ bei – und erinnert an eine der Schauspielerinnen des Films, die danach spurlos aus dem Filmgeschäft verschwunden ist.

ESSAY

München – Geheimnisse einer Stadt

von Dominik Graf und Michael Althen

Nur im weitesten Sinne enthält dieser Film (absolut medien) das Porträt einer Stadt. Natürlich geht es um München, aber jede andere Stadt könnte wohl für das Gleiche stehen. Dominik Graf und der vor einem Jahr verstorbene Filmkritiker Michael Althen erzählen in diesem 2000 gedrehten Essay Stadtgeschichten aus überlieferten und persönlichen Erinnerungen, Fiktionen und Assoziationen. Was ist das überhaupt, eine Stadt?. Wie baut sich ein Kind seine Stadt zusammen, bestehend nur aus ein paar Straßenzügen? Dann ein Umzug, neue Wege, neue Fixpunkte, neue Freunde. Die Stadt wird größer, die Träume ändern sich. Was wäre, wenn sich die Blicke zweier junger Menschen auf einem Rockkonzert getroffen hätten? Was erhofft sich die Fahrkartenkontrolleurin, das Kindermädchen? Welche Wege geht ein Geldschein? Der Film und seine Geschichten mäandern von der Vergangenheit in die Zukunft und zurück, zwischen Offiziellem und Privatem, großem Ganzen und Detail. Mal ist das alles soziologisch, dann wieder melancholisch, subjektiv und, nunja, herrlich kitschig. Die Stadt ist hier die Leinwand für das Kopfkino des Lebens. Karl Hafner

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