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Karl Hafner

DOKUMENTATION Superheroes

von Michael Barnett (Euro Video)

Die Welt ist ein gefährlicher Ort – gut, dass es Superhelden gibt. Master Legend etwa, der die Justice Force gegründet hat, um Orlando zu beschützen. Oder Mr. Xtreme, der sich um die Belange der Stadt Chula Vista kümmert. Zusammen mit ein paar Mitstreitern ist er die Extreme Justice League, die mitgeholfen hat, einen Sextäter zu ergreifen. Real Life Superheroes nennen sich all diese Menschen, die Michael Barnett in seiner Dokumentation „Superheroes“ von 2011 für den US-Bezahlsender HBO zeigt. Was erst einmal wie ein Witz erscheint, ist für die gezeigten Menschen alles andere als ein Spiel. Alle sind sie der Meinung, die Gesellschaft sei zu ignorant, die Gewalt nehme überhand, man könne doch nicht einfach wegschauen. Sie versuchen, etwas dagegen zu tun, mit selbst entworfenen Kostümen und Masken, und ihnen ist es wirklich ernst. In Deutschland wird der Film eher als Lachnummer vermarktet. „Voll echte Superhelden“ heißt es da im Untertitel, doch Barnett hat wohlweislich vermieden, zu spotten. Die meisten dieser Helden erzählen irgendwann von ihren eigenen Gewalterfahrungen, von Missbrauch in der Kindheit und Prügeln in der Schule, doch allzu viel wird nicht psychologisiert. Der Polizei gefällt das Phänomen der echten Superhelden nicht. Doch so lange es im Rahmen bleibt, wird es wohl akzeptiert. Die meisten dieser Real Life Superheroes kümmern sich auch nicht um das große Verbrechen, sondern eher um die Probleme vor ihrer Haustür. So versorgen sie Obdachlose oder helfen Rollstuhlfahrern.

THRILLER Agent Hamilton

von Kathrine Windfeld (Asct Elite)

Ein Agent muss sich entscheiden: für die Moral, gegen seine Vorgesetzten. Zwanzig Dienstjahre hat Carl Hamilton, gespielt von Mikael Persbrandt, mittlerweile im Kreuz und zu Beginn von Kathrine Windfelds Agententhriller sieht es nicht so aus, als ob noch ein paar dazu- kommen würden. Ein Auftrag an der Grenze zu Afghanistan geht gründlich schief. Ein Hinterhalt, viel Blut, viele Tote. Nur durch seinen Instinkt kann er sich retten, durch seine deformation professionelle – Lebensversicherung im Beruf, Untergang im zivilen Leben. Der Film basiert auf einem Roman des schwedischen Journalisten und Erfolgsautors Jan Guillou, der selbst jahrelang Kontakte zum KGB gehabt haben soll. Es geht um korrupte Politiker und internationalen Waffenhandel. Um Terroranschläge, die Kriege provozieren sollen, um die Profite von privaten Sicherheitsfirmen und Rüstungslieferanten zu sichern. Als schwedische Variante von James Bond wird der Film angepriesen. Ähnlich international ist das zwar alles. Doch während die Bond-Reihe nur allmählich und den Quasi-Superhelden-Status seines Agenten infrage stellt, gibt es für Hamilton keinen Glamour mehr. Hier ist alles grau und düster, Action gibt es nur in kurzen Gewaltexzessen, das Tempo ist oft genreuntypisch langsam. Und Persbrandt spielt seine Rolle so knochentrocken, dass man beim Zuschauen bitter spürt, wie wenig Spaß so ein Leben machen muss.

WESTERN Drei Rivalen

von Raoul Walsh (Koch Media)

Der Beginn dieses Westerns von 1955 ist legendär: Die Brüder Ben (Clark Gable) und Clint Allison (Cameron Mitchell) reiten durch die verschneiten Berge Montanas. Plötzlich entdecken sie einen Gelynchten in einem Baum. „We’re getting closer to civilization“, ist Bens lakonischer Kommentar, der bereits den Ton für die weiteren zwei Stunden dieses wunderbaren Cinemascope-Westerns setzt. Ben und Clint sind Bürgerkriegsveteranen, zwei Entwurzelte auf der Suche nach Gold, doch letztlich geht es um Glück und ein Zuhause. Als die beiden einen Casino-Besitzer überfallen, überredet dieser sie, eine gewaltige Viehherde von 4000 Rindern von Texas nach Montana zu überführen. Auf dem Weg zum Startpunkt treffen und retten sie die zupackende Nella (Jane Russell), die fortan zum Zentrum des Films wird, zum Objekt der Begierde von Ben und Nathan. Ausgerechnet im Indianergebiet werden so aus Partnern erbitterte Rivalen – dabei wäre die Reise auch ohne Liebesprobleme aufreibend genug, wie Walsh mit dem sagenhaften Aufwand des 50er-Jahre-Hollywood-Kinos eindrucksvoll vor Augen führt. Er erzählt die Geschichte mit großer Ruhe und Genauigkeit, setzt die Landschaften dramatisch in Szene, und sowohl in den Dialogen als auch in den eruptiven Actionszenen wird scharf geschossen. Schöner kann ein Technicolor-Breitwand-Western kaum sein. Karl Hafner

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