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Karl Hafner

THRILLER 1

Love Crime

Die Spitzenmanagerin Christine (Kristin Scott Thomas) weiß genau, wie sie Teamwork für sich selbst nutzen kann – in diesem bei Universum erschienenen letzten Film des 2010 gestorbenen Alain Corneau. Eine Gesellschaftssatire ist dieser Thriller: Isabelle (Ludivine Sagnier), Christines Untergebene und ihr Gegenpol, glaubt so lange vergeblich an Gemeinsamkeit, bis sie ein Projekt lieber allein durchzieht. Von da an wird es hässlich. Christine, schrille Meisterin der Mitarbeiterführung, setzt auf Zuckerbrot, Peitsche, Psychoterror – und wird tot in ihrer Wohnung gefunden. Was als Psychoduell mit sexuellen Anklängen begann, mündet in die Mordermittlung. Isabelle spielt das arme Hascherl und trickst ihrerseits. Hier ist alles schäbig zwischen Präsentationen, Meetings und Geschäftsreisen. Kein wirklich großer Film, aber raffiniert, und das ist doch schon was.

THRILLER 2

Lawless

Eindeutig Gut und Böse gibt es in „ Lawless“ (Kochmedia) von John Hillcoat, der 2012 in Cannes gezeigt wurde, bei uns jedoch nicht in die Kinos kam. Die drei Brüder Bondurant brennen um 1930 Schnaps in Virginia und leben recht gut davon, bis Special Deputy Charles Rakey (Guy Pearce) aus Chicago in die Provinz kommt, um gegen die Destillen vorzugehen. Rakey ist ein Sadist, immer geleckt und gestriegelt und voller Verachtung für die Hinterwäldler. Die Bondurants jedoch, echte Kerle, geben nicht klein bei. Gewalt ist hier überall und drastisch. Recht pathetisch, das alles – und dennoch passt vieles: die Musik, die Landschaft, Zigaretten, Staub und Alkohol, die wortkargen Figuren, gespielt von Leuten wie Shia LaBeouf, Gary Oldman oder Jessica Chastain.Und die Moral? Blut ist dicker als Wasser und doch teurer als Schnaps.

LITERATURVERFILMUNG

Die letzte Mätresse

Leidenschaft oder Vernunft, Freiheit oder Konvention – am Anfang scheint alles klar in Catherine Breillats Romanverfilmung (Pierrot Le Fou) von 2007 nach Barbey d’Aurevilly. Paris um 1830: Der hübsche Ryno de Marigny wird die keusche Hermangarde heiraten, die Enkelin der Marquise de Flers – eine gute Partie. Doch Ryno hat seit Jahren eine Affäre mit der sinnlichen Spanierin Vellini (Asia Argento). Man redet darüber. Vor der Hochzeit stellt die Marquise de Flers den jungen Ryno zur Rede. Auch in diesem Breillat-Werk geht es um den Kampf der Geschlechter, um Macht, Ohnmacht, Begehren, Sex, jedoch eher sinnlich dialogreich als – wie früher – explizit körperakrobatisch. Das üppige Historiendrama spielt in feinen Salons, in der Oper, in prächtigen Schlafgemächern und erzählt die zeitlose Geschichte einer unglücklichen Liebe. Bald zeigt sich die Marquise beeindruckt von den Gefühlen des jungen Mannes und voller Respekt für die unkonventionelle Vellini. Und in Sachen Moral ist nichts mehr so einfach. Karl Hafner

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