NEU AUF DVD : NEU AUF DVD

Karl Hafner

HORROR-GROTESKE

John Dies at the End

Regie: Don Coscarelli

John und Dave, zwei typische Slacker, sind auf dem Weg durch Raum und Zeit – auf Sojasauce, so der Straßenname einer neuartigen Droge, die sagenhafte Nebenwirkungen hat: Sie entstellt, verblödet und dient als Portal für eine lautlose Invasion aus einer anderen Welt. Ausgerechnet die Loser John und Dave müssen das verhindern, also nicht weniger als die Welt retten in Don Coscarellis Wahnsinnsfilm (erschienen bei Pandastorm). nach einer Novelle von David Wong. Das Ganze ist dermaßen unsinnig, dass es verrückt wäre, einer Logik oder einem Plot folgen zu wollen, auch wenn Paul Giamatti, der Weinkenner aus „Sideways“, als Reporter das Ganze zusammenhalten soll. Hier geht es vielmehr um ein Potpourri aus Zitaten, Anspielungen und Verweisen – das popkulturelle Gedächtnis entlädt hier recht ungefiltert, was es an Kurzschlüssen so erzeugen kann. Natürlich ist das ganz schön meta und post, aber auch immer wieder wirklich komisch, überraschend und gruselig. Für Zartbesaitete ist das nichts, dafür wird zu viel gemetzgert. Auch Leute mit Bedürfnis nach Erkenntnisgewinn sollten anderswo suchen gehen. Hier fahren Hunde Auto, hier greifen Schnurrbärte an, hier sehen Türklinken aus wie Pimmel – und warum? Darum!

VAMPIRFILM

Blut an den Lippen

Regie: Harry Kümel

Zwei frisch Vermählte, Stefan und Valerie, reisen aus der Schweiz nach England, zur Mutter des Mannes. Doch in Ostende geht keine Fähre mehr. Das Paar strandet in einem Grand Hotel, andere Gäste gibt es nicht. Alles ist zu groß, zu ruhig, zu luxuriös, und bald liegt ein leises Grauen über der Szenerie in Harry Kümels „Blut an den Lippen“ (Bildstörung) von 1971 – das wunderbare B-Movie ist eine Mischung aus Vampir-, Erotik- und Exploitationfilm. Richtig gut scheinen sich Stefan und Valerie allerdings noch nicht zu kennen. In der Gegend wurden blutleere Frauenkörper gefunden, was Stefan verdächtig heftig zu faszinieren scheint. Bald taucht die Gräfin Báthory – gespielt von Delphine Seyrig, der Hauptdarstellerin aus Alain Resnais’ „Letztes Jahr in Marienbad“ – im Hotel auf und bringt mit ihrer Sekretärin Ilona alles aus dem Lot. Angeblich sei sie seit 40 Jahren nicht gealtert, eine ihrer Vorfahren habe in Jungfrauenblut gebadet. Die Zeichen sind klar, die Zutaten ebenso: lesbische Vampire. Es geht um Triebhaftigkeit, Verführung und Sex, mit deutlich feministischem Subtext. Das Tempo ist bedächtig, Schockeffekte fehlen, und zugleich ist das keineswegs langweilig: Musik, Farben und Kameraeinstellungen erzeugen eine traumwandlerische, erotisch aufgeladene Atmosphäre. Und am Anfang und Ende jeder Beziehung steht schlicht und trist: Macht.

POLITTHRILLER

Salvador

Regie: Oliver Stone

Zwei Glücksritter auf dem Weg in die Hölle – so knapp lässt sich die Handlung von Oliver Stones wütendem Politthriller (bei Kochmedia) umreißen, der 1986 im selben Jahr wie „Platoon“ erschienen ist. Die Kritik mochte „Salvador“, aber die Kinos blieben leer. Dabei ist es vielleicht der erste Film in der typischen Stone-Methode und sicherlich einer seiner besten. Der Reporter Richard Boyle war Vorbild für die gleichnamige Filmfigur, gespielt von James Woods. Boyles biografische Aufzeichnungen aus der Zeit der Militärjunta in El Salvador wurden erzählerisch mit realen Kriegsereignissen verdichtet, gewissermaßen als Quintessenz aus Individualerlebnis und Historie – eine Methode, die Stone seitdem in den meisten Filmen verwendet. Der abgebrannte Reporter Boyle also fährt mit seinem Freund Dr. Rock (James Belushi) nach El Salvador, um seine Karriere mit ein paar spektakulären Kriegsfotografien wieder in Gang zu bringen. Der Film wird aus der begrenzten Sicht Boyles erzählt – und ähnelt bald einem Drogenrausch. Die Kamera verliert jeglichen Überblick, wird hektisch, rast durch Schlachtfelder und Schießereien. Langsam erst erkennt Boyle die Fronten und wird Zeuge der in exemplarischen Szenen gezeigten Grausamkeit der Militärdiktatur – und beobachtet die Verstrickungen der CIA und der amerikanischen Rechten. Position zu beziehen wird da lebensgefährlich, aber irgendjemand muss doch informieren! Stones späterer Weltverbesserungsgestus bleibt seiner Hauptfigur Boyle hier jedoch verwehrt. Es geht um die nackte Existenz. Karl Hafner

0 Kommentare

Neuester Kommentar